Klimawandel und Wasserknappheit: Ein globales Problem für die Weizenpreise**

Klimawandel und Wasserknappheit: Ein globales Problem für die Weizenpreise**

Die Auswirkungen des Klimawandels sind mittlerweile in vielen Lebensbereichen spürbar, und eine der alarmierendsten Entwicklungen ist die zunehmende Wasserknappheit in bedeutenden Agrarregionen. Eine aktuelle interdisziplinäre Studie, an der Forscher von verschiedenen Institutionen, darunter die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, beteiligt sind, hat einen direkten Zusammenhang zwischen dieser Wasserknappheit und den globalen Weizenpreisen aufgezeigt. Die Forschungsergebnisse sind besonders relevant, da Weizen eine der zentralen Nahrungsquellen für Millionen von Menschen weltweit ist.

In der Landwirtschaft können Dürreperioden in einzelnen Anbaugebieten zu erheblichen Ernteausfällen führen. Doch die Situation wird kritischer, wenn mehrere bedeutende Weizenproduktionsgebiete gleichzeitig von Wasserknappheit betroffen sind, insbesondere wenn solche Dürreereignisse in aufeinanderfolgenden Jahren auftreten. Um diese Fragestellung zu beleuchten, hat ein internationales Team von Wissenschaftlern Klimadaten, Anbaugebietsstatistiken und globale Rohstoffpreisdaten miteinander verknüpft. Die Studie, geleitet von Professor Miroslav Trnka vom Global Change Research Institute (CzechGlobe), hat gezeigt, dass Wasserknappheit einen erheblichen Einfluss auf die Weizenpreise hat.

Weizen ist besonders anfällig für Wasserknappheit, da er auf einer größeren Anbaufläche kultiviert wird als andere Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais. Er spielt eine entscheidende Rolle in der globalen Ernährung, da er einen wesentlichen Teil der täglichen Kalorien- und Proteinaufnahme der Menschen liefert. Zudem wird er vorwiegend in Regionen angebaut, in denen Wasserressourcen bereits begrenzt sind. Während frühere Studien den Fokus oft auf langfristige Veränderungen der Ernteerträge legten, hat das Forschungsteam um Trnka und seine Kollegen untersucht, wie sich der Umfang der Wasserknappheit während der Wachstumsphase auf die Weizenpreise auswirkt.

Hierfür entwickelten die Forscher einen spezifischen Indikator für extreme Wasserknappheit, genannt „Severe Water Scarcity“ (SWS), der sowohl kurzfristige als auch längere Dürreperioden berücksichtigt und sich insbesondere auf die vier Monate vor der Ernte konzentriert – eine Zeitspanne, in der Pflanzen besonders empfindlich auf Wassermangel reagieren. Die Analyse ergab, dass Wasserknappheit die Hauptursache für die Preisschwankungen bei Weizen ist. Tatsächlich konnte ein Modell, das sich ausschließlich auf Wasserknappheit stützt, 74 Prozent der jährlichen Preisschwankungen zwischen 2000 und 2021 erklären.

Die Studie prognostiziert auch alarmierende zukünftige Entwicklungen: Mit einer weiteren Erwärmung des Klimas könnte sich die Wasserknappheit in Weizenanbaugebieten ausweiten. Simulationen zeigen, dass bei einer globalen Temperatursteigerung um 2 Grad Celsius die Weizenpreise auf etwa 273 US-Dollar pro Tonne ansteigen könnten. Bei einer Erhöhung um 3 Grad Celsius könnte der Preis sogar auf 364 US-Dollar pro Tonne steigen, was das Dreifache des inflationsbereinigten Preises von 2010 darstellt.

Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass nicht nur Dürreperioden die Weizenpreise beeinflussen. Auch Faktoren wie Energiepreise, Kosten für Düngemittel, Marktbestände, Wechselkurse, geopolitische Konflikte sowie Krankheiten und Schädlinge spielen eine Rolle. Dennoch zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die klimabedingte Wasserknappheit ein wesentliches Signal auf den globalen Agrarmärkten darstellt. Wenn große Anbaugebiete gleichzeitig von Dürre betroffen sind, kann dies weitreichende Auswirkungen auf die Weizenpreise haben, die bis in Länder reichen, die Tausende von Kilometern entfernt liegen.

Angesichts dieser Erkenntnisse fordern die Forscher eine umfassendere Betrachtung der globalen Ernährungssicherheit. Zukünftige Bewertungen sollten nicht nur schrittweise Veränderungen der Ernteerträge berücksichtigen, sondern auch das Risiko von großflächigen und wiederkehrenden Wasserknappheiten, die mehrere bedeutende Anbaugebiete betreffen können. Nur durch eine solche umfassende Analyse kann die Gefahr, die der Klimawandel für die weltweite Nahrungsmittelversorgung darstellt, angemessen eingeschätzt und adressiert werden.