
Die Frage, wohin man sich wenden kann, wenn die Welt vor dem Abgrund steht, ist komplex und erfordert eine tiefere Auseinandersetzung mit den globalen Risiken, denen die Menschheit ausgesetzt ist. Dr. Florian Ulrich Jehn hat in einer umfassenden internationalen Studie mögliche Katastrophenszenarien untersucht und analysiert, welche Länder am besten auf solche Herausforderungen vorbereitet sind und welche Faktoren zur Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften beitragen.
In der Studie mit dem Titel „No place to hide? Regional resilience and vulnerability to global catastrophic risk“ werden verschiedene Bedrohungen betrachtet, die potenziell Millionen von Menschenleben kosten könnten. Die Bandbreite der möglichen Katastrophen reicht von Pandemien, die schnell um sich greifen, über den Zusammenbruch kritischer Infrastrukturen durch geomagnetische Stürme, bis hin zu extremen Ereignissen wie nuklearen Konflikten oder Asteroideneinschlägen, die das globale Klima drastisch verändern könnten.
Jehn, der ursprünglich Umweltwissenschaften studierte und sich auf Hydrologie spezialisierte, hat nach seiner Promotion für die NGO „ALLFED“ gearbeitet, die sich mit der Ernährungssicherung in Krisenzeiten befasst. Seit 2026 ist er an der FernUniversität in Hagen tätig und bringt sein Wissen in die Lehre ein, insbesondere in einem Kurs über die Risiken globaler Katastrophen.
Die Studie betrachtet drei Hauptkategorien von Risiken. Die erste Kategorie umfasst biologische Bedrohungen, wie beispielsweise Epidemien, die in der Lage sind, große Teile der Bevölkerung zu dezimieren. Die zweite Kategorie befasst sich mit dem Verlust kritischer Infrastrukturen, etwa durch geomagnetische Stürme, die die Stromversorgung lahmlegen könnten. Die dritte Kategorie umfasst Szenarien, in denen das Sonnenlicht durch extreme Ereignisse wie nukleare Winter oder Vulkanausbrüche blockiert wird.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass einige Länder besser auf solche Katastrophen vorbereitet sind als andere. Australien wird als ein Beispiel genannt, das trotz der Herausforderungen des Klimawandels relativ gut abschneidet. Die geografische Isolation Australiens, kombiniert mit einer stabilen Demokratie, einer starken Industrie und einer hohen Nahrungsmittelproduktion, macht es potenziell widerstandsfähiger gegenüber globalen Krisen. Im Vergleich dazu zeigt Neuseeland ähnliche Vorteile, ist jedoch aufgrund seiner geringeren Größe und industriellen Basis weniger autark.
Jehn warnt jedoch davor, Australien als das einzige sichere Ziel zu betrachten. Auch Australien ist auf internationalen Handel angewiesen, um essentielle Güter wie Medikamente und Treibstoffe zu beziehen. Deutschland, als hochentwickelte Handelsnation, ist im Herzen Europas nicht isoliert, hat aber auch seine Schwächen. Jehn merkt an, dass Deutschland unter den analysierten Ländern nicht zu den resilientesten gehört, insbesondere wenn es um die Abhängigkeit von Elektrizität geht.
Die Studie hat das Ziel, ein Bewusstsein für diese existenziellen Risiken zu schaffen und die Notwendigkeit der Vorbereitung auf solche Szenarien zu betonen. Jehn hebt hervor, dass in Deutschland große Katastrophen selten Teil öffentlicher Debatten sind. Ein Mangel an Vorbereitung könnte fatale Folgen haben. So könnten Handelsabkommen, die den Austausch lebenswichtiger Ressourcen auch in Krisenzeiten garantieren, von entscheidender Bedeutung sein.
Zusätzlich wird die Idee von „resilienten Lebensmitteln“ angesprochen, die auch in Krisensituationen in großen Mengen produziert werden könnten. Diese Konzepte könnten helfen, die Nahrungsmittelversorgung aufrechtzuerhalten, selbst wenn herkömmliche Anbau- und Produktionsmethoden beeinträchtigt sind.
Jehn ermutigt dazu, proaktiv zu handeln und die vorhandenen Ressourcen und Technologien zu nutzen, um die Gesellschaft auf mögliche Krisen vorzubereiten. Durch Zusammenarbeit und Solidarität könnten Gesellschaften in der Lage sein, viele Herausforderungen zu bewältigen. Die zentrale Botschaft der Studie ist, dass Prävention immer der Resilienz vorzuziehen ist. Es liegt in der Verantwortung der Gesellschaft, sich auf die Möglichkeit extremer Ereignisse vorzubereiten und so die schlimmsten Szenarien zu vermeiden.


















































