Bewusstsein für Biodiversität in der Landwirtschaft: Herausforderungen und Chancen**

Bewusstsein für Biodiversität in der Landwirtschaft: Herausforderungen und Chancen**

Eine neue Studie gibt interessante Einblicke in das Bewusstsein und die Motivation von Land- und Forstwirten in Deutschland in Bezug auf den Artenschutz. Diese Forschung wurde unter der Leitung des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) im Rahmen der BMFTR-Forschungsinitiative für den Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Landwirte und Forstleute ein hohes Bewusstsein für die Bedeutung der biologischen Vielfalt besitzen und bereit sind, aktiv zum Schutz dieser Vielfalt beizutragen. Dennoch stehen sie vor erheblichen Herausforderungen, die ihre Handlungsfähigkeit einschränken.

Die Land- und Forstwirtschaft bewirtschaftet in Deutschland etwa 80 Prozent der Gesamtfläche und spielt somit eine entscheidende Rolle beim Schutz der biologischen Vielfalt. Trotz dieser Verantwortung sind sie oft Kritik ausgesetzt, wenn es um den Biodiversitätsschutz geht. Ein Forschungsteam um Marion Mehring, die das Forschungsfeld Biodiversität und Gesellschaft am ISOE leitet, hat daher untersucht, wie es um das Bewusstsein und die Motivation dieser Akteure bestellt ist. Die Ergebnisse der Studie, die auf einer Befragung von über 1.000 Personen basiert, zeigen, dass ein zusätzliches Ansprechen auf den Artenschutz nicht nötig ist. Vielmehr sind die Land- und Forstwirte bereits sehr sensibilisiert für die Biodiversitätskrise und zeigen eine hohe Bereitschaft zu handeln.

Um das Biodiversitätsbewusstsein der Land- und Forstwirte besser zu verstehen, entwickelte das Forschungsteam ein neues Konzept, das nun auch international zugänglich gemacht wird. Dieses Konzept umfasst drei zentrale Komponenten: die kognitive, die affektive und die konative Komponente. Die kognitive Dimension bezieht sich darauf, inwieweit die Personen den menschengemachten Verlust der Biodiversität als Fakt anerkennen. Die affektive Dimension beschäftigt sich mit den Emotionen und Werten, die Menschen mit dem Verlust der Artenvielfalt verbinden. Schließlich beschreibt die konative Dimension die Bereitschaft, das eigene Handeln zu ändern und biodiversitätsfreundliche Maßnahmen zu unterstützen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie war, dass ein hohes Wissen über Biodiversität nicht zwangsläufig zu einer Veränderung des eigenen Verhaltens führen muss. Dies zeigt, dass es nicht nur auf Informationen ankommt, sondern dass auch emotionale Ansprache und konkrete Handlungsoptionen nötig sind, um das Bewusstsein in praktische Maßnahmen zu übersetzen. Die Befragung ergab, dass viele Land- und Forstwirte gewillt sind, mehr für den Schutz der Biodiversität zu tun. Dennoch empfinden sie zahlreiche Hemmnisse, die sie daran hindern, diese Motivation in konkrete Taten umzusetzen.

Die größte Hürde für die Landwirte stellt der hohe finanzielle Aufwand dar, der mit der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen verbunden ist. 84 Prozent der Befragten nannten die hohen Kosten für Flächen und Pachten als erhebliches Hindernis. Darüber hinaus kritisieren 83 Prozent die mangelnde Flexibilität der Vorgaben sowie den hohen administrativen Aufwand für Messungen und Dokumentationen. Bei den Waldbesitzern sind es vor allem die Schwierigkeiten bei der Beantragung von Fördermitteln, die als größte Barriere wahrgenommen werden. 84 Prozent von ihnen nannten den hohen Aufwand hierfür als problematisch, und viele beklagten, dass sie nicht über ausreichende Ressourcen zur Umsetzung von Maßnahmen verfügen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Motivation der Land- und Forstwirte, sich für den Artenschutz einzusetzen, vorhanden ist. Es sind jedoch geeignete Rahmenbedingungen und Unterstützung notwendig, um diese Motivation in konkrete Maßnahmen umsetzen zu können. Marion Mehring fasst die Erkenntnisse zusammen: „Der Mangel an Biodiversitätsschutz liegt nicht an fehlendem Willen, sondern an fehlenden Möglichkeiten.“ Die Studie zeigt, dass durch die Schaffung besserer Rahmenbedingungen und Anreize, wie etwa finanzielle Unterstützung und weniger bürokratische Hürden, der Artenschutz in der Landwirtschaft erheblich gefördert werden kann.

Insgesamt liefert die Studie wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Land- und Forstwirte als „Agenten des Wandels“ im Artenschutz agieren können, wenn sie die nötige Unterstützung erhalten. Die Forschungsergebnisse sind ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen und biodiversitätsfreundlichen Landwirtschaft in Deutschland.