
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 stellt einen entscheidenden Wendepunkt für die Wissenschafts- und Innovationspolitik des Landes dar. Die aktuelle Analyse des Stifterverbandes zu den Wahlprogrammen der im Landtag vertretenen Parteien beleuchtet, wie diese die zukünftige Entwicklung von Hochschulen, Forschung und Innovation gestalten möchten. Dies wird umso relevanter, da die „Regionale Innovationsstrategie 2021–2027“ demnächst ausläuft und eine Neuausrichtung erforderlich ist.
Die Analyse zeigt, dass es den Parteien nicht an Ideen mangelt, jedoch fehlen klare Prioritäten und eine langfristige Strategie. Die Programme präsentieren zwar eine Vielzahl von Maßnahmen und Zukunftstechnologien, doch es bleibt unklar, wie Sachsen-Anhalt, angesichts begrenzter Ressourcen, seine Hochschulen weiter profilieren und bestehende Forschungsansätze in konkrete Innovationen umsetzen kann. Diese Priorisierung wird für die kommende Landesregierung von großer Bedeutung sein.
Sachsen-Anhalt ist durch ein starkes öffentliches Wissenschaftssystem geprägt, das maßgeblich zur Forschungsleistung des Landes beiträgt. Im Jahr 2023 beliefen sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf etwa 1,135 Milliarden Euro. Davon flossen 489 Millionen Euro in Hochschulen, 391 Millionen Euro in andere Forschungseinrichtungen und lediglich 255 Millionen Euro in die Wirtschaft. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Hochschulen eine zentrale Rolle im Wissenschaftssystem spielen. Gleichzeitig steht das System vor Herausforderungen wie steigenden Kosten, rückläufigen Studierendenzahlen und geopolitischen Veränderungen.
In den Wahlprogrammen wird der Bedarf an einer stabilen Finanzierung für Hochschulen parteiübergreifend anerkannt, jedoch unterscheiden sich die Ansätze. Während CDU und FDP den Fokus auf Eigenverantwortung und leistungsorientierte Steuerung legen, fordern SPD, Grüne und Linke eine verstärkte öffentliche Finanzierung unter Einbeziehung bundesweiter Fördermöglichkeiten. Wie zusätzliche Mittel mobilisiert und Kooperationen mit der Wirtschaft effizienter genutzt werden können, bleibt jedoch unklar.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Schutz der Wissenschaftsfreiheit. SPD und CDU betrachten die Freiheit von Forschung und Lehre als grundlegendes Element für wissenschaftliche Exzellenz. Die FDP hebt zusätzlich die Rolle der Hochschulen als Plattformen für freien Meinungsaustausch hervor. Im Gegensatz dazu betonen Grüne und Linke die gesellschaftliche Verankerung der Wissenschaft, während die AfD einerseits einen Rückzug von politischer Einflussnahme fordert, andererseits jedoch selbst politisch in Forschungsfelder eingreifen möchte, was die Freiheit der Wissenschaft in Frage stellt.
Sachsen-Anhalt hat die Voraussetzungen für einen effektiven Wissens- und Technologietransfer, nutzt diese jedoch nur unzureichend. Die Daten des Stifterverbandes zeigen, dass Hochschulen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt überdurchschnittlich viele Kooperationsprojekte initiieren. Dennoch bleibt die Umwandlung von Gründungsideen in tatsächliche Unternehmensgründungen hinter den Erwartungen zurück. Die Herausforderung liegt somit nicht im Aufbau neuer Netzwerke, sondern in der effektiven Umsetzung bestehender Kooperationen in wirtschaftliche Erfolge.
Die Analyse der Wahlprogramme offenbart unterschiedliche Visionen für die Wissenschaft und Innovation im Land. Während CDU und SPD den wirtschaftlichen Nutzen von Forschung betonen, sehen FDP und Grüne den Transfer eng mit regionaler Vernetzung und Gründungsförderung verbunden. Die Linke legt den Fokus auf den gesellschaftlichen Nutzen der Wissenschaft, während die AfD sich nicht mit Fragen der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auseinandersetzt.
Trotz zahlreicher Ideen und Vorschläge in den Programmen fehlt ein konsistentes, langfristiges Konzept, das finanzielle Wege aufzeigt und Prioritäten setzt. Mit dem Ende der „Regionalen Innovationsstrategie 2021–2027“ steht die nächste Landesregierung vor der Herausforderung, klare Schwerpunkte für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Sachsen-Anhalt zu definieren. Es gilt, auf die Stärken der Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu setzen und diese gezielt auszubauen.
Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes, hebt hervor, dass es für Sachsen-Anhalt entscheidend ist, nicht in möglichst viele Zukunftsfelder zu investieren, sondern die vorhandenen Stärken gezielt zu fördern. Die Analyse verdeutlicht auch, dass einige Forderungen der AfD den Anforderungen an ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem entgegenstehen. Politisch motivierte Eingriffe und die Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit könnten die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Wissenschaftsstandorts Sachsen-Anhalt gefährden.
Insgesamt zeigt die Wahlprogrammanalyse, dass Wissenschafts- und Innovationspolitik zwar oft nicht im Fokus der Wahlkämpfe steht, jedoch eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes spielt


















































