
Eine internationale Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Ina Danquah, die am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn tätig ist, hat sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern nachhaltige Ernährungsmuster mit dem Risiko für kardiometabolische Erkrankungen wie Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck verbunden sind. Diese Problematik ist besonders relevant in Subsahara-Afrika, wo der Anstieg solcher Erkrankungen alarmierende Ausmaße angenommen hat. Ziel der Studie war es, die Ernährungsgewohnheiten von ghanaischen Erwachsenen sowie von ghanaischen Migranten in Europa zu analysieren und herauszufinden, wie nachhaltig diese Ernährungsweisen sind.
Im Rahmen der Untersuchung wurden insgesamt 2.183 Personen befragt. Die Forscher wollten herausfinden, ob eine nachhaltige Ernährung – die nährstoffreich, umweltfreundlich, preiswert und kulturell akzeptabel ist – das Risiko für oben genannte Krankheiten verringern kann. Eine nachhaltige Ernährung sollte idealerweise den ökologischen Fußabdruck minimieren und gleichzeitig eine ausreichende Nährstoffversorgung gewährleisten.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Ernährung der Befragten insgesamt als wenig nachhaltig eingestuft werden kann. Auffällig war, dass die Ernährungsweise von ghanaischen Erwachsenen in ihrem Heimatland nachhaltiger war als die von ghanaischen Migranten in Europa. Zudem stellte sich heraus, dass ältere Personen und solche mit geringerem Bildungsniveau tendenziell nachhaltiger aßen, während die Ernährung von Personen, die weniger Kalorien konsumierten, ebenfalls als nachhaltiger eingestuft wurde. Überraschenderweise wurde jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen nachhaltiger Ernährung und den gesundheitlichen Risiken für Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck festgestellt. Die Forscher vermuten, dass die geringe Nachhaltigkeit und die begrenzte Variation der Ernährung in der untersuchten Population zu diesem Ergebnis geführt haben.
Die Methodik der Studie umfasste zunächst die Erfassung der Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmenden. Daraufhin entwickelten die Forscher mithilfe eines mathematischen Modells Ernährungsprofile, die den Kriterien für eine nachhaltige Ernährung entsprachen. Diese optimalen Ernährungsweisen wurden dann mit den tatsächlichen Essgewohnheiten der Befragten verglichen, um den Grad der Nachhaltigkeit ihrer Ernährung zu bewerten. In einem weiteren Schritt wurde untersucht, inwieweit die Nachhaltigkeit der Ernährung mit der Entwicklung von kardiometabolischen Erkrankungen korreliert.
Eine der größten Herausforderungen während der Studie war die Nachverfolgung der Teilnehmenden, insbesondere während der COVID-19-Pandemie. In Ghana stellte die fehlende Adressgenauigkeit ein zusätzliches Hindernis dar, da viele Befragte schwer zu erreichen waren. Auch die Analyse der Daten war komplex, da Frauen und Männer unterschiedliche Nährstoffbedarfe haben und die Portionsgrößen in Ghana von denen in Europa abweichen. Daher mussten die Berechnungen an Geschlecht, Portionsgrößen und regionale Unterschiede angepasst werden.
Die Ergebnisse der Studie haben praktische Implikationen, da sie helfen, Ernährungsweisen zu entwickeln, die mehrere Vorteile vereinen: Sie könnten nicht nur zur Prävention von Krankheiten beitragen, sondern auch umweltfreundlich und kostengünstig sein, während sie gleichzeitig geschmacklich ansprechend bleiben. Die Forscher empfehlen, dass nachhaltige Ernährungsweisen in Subsahara-Afrika vermehrt auf pflanzlicher Basis beruhen sollten. Insbesondere könnte der Konsum von rotem Fleisch und verarbeiteten Fleischprodukten durch Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte ersetzt werden. Auch eine moderate Zunahme von Fisch und Meeresfrüchten könnte in die Ernährung integriert werden, während der Verzehr von kalorienarmen, nährstoffarmen Lebensmitteln reduziert werden sollte.
Im nächsten Schritt haben die Wissenschaftler die entwickelten, mathematisch optimierten Ernährungsbeispiele mit den Teilnehmenden in Ghana und den ghanaischen Migranten in Deutschland diskutiert. Dabei wurde eruiert, inwieweit diese Beispiele im Alltag umsetzbar, akzeptiert und kulturell kompatibel sind. Die gewonnenen Erkenntnisse werden entscheidend dafür sein, wie diese nachhaltigen Ernährungsweisen in zukünftigen Studien und Gesundheitsprogrammen implementiert werden können.
Für weitere Informationen steht Prof. Dr. Ina Danquah als Ansprechpartnerin zur Verfügung, die bereit ist, weitere Fragen zu den Ergebnissen und deren Bedeutung zu beantworten.


















































