
In Deutschland spielen Moorböden eine entscheidende Rolle als natürliche Kohlenstoffspeicher. Leider sind jedoch über 90 Prozent dieser wertvollen Flächen entwässert, was zu erheblichen Treibhausgasemissionen führt. Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat die Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (ARL) ein Positionspapier veröffentlicht, das Handlungsempfehlungen zur Unterstützung der Wiedervernässung von Moorböden durch effektive Raumplanung bietet. Dieses Dokument ist das Ergebnis einer Fachtagung, an der Experten aus Wissenschaft und Praxis teilnahmen und die Herausforderungen sowie Lösungsansätze im Bereich Moorbodenschutz erörterten.
Die Wiedervernässung von Mooren wird als eine zentrale Maßnahme im Klimaschutz betrachtet. Dennoch ist dieser Prozess mit komplexen planerischen, wasserwirtschaftlichen und eigentumsrechtlichen Herausforderungen verbunden. Hier setzt die Raumordnung an: Sie hat die Möglichkeit, verbindliche Planvorgaben zu schaffen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Behörden, Fachplanungen und Förderprogrammen zu verbessern.
Das Positionspapier richtet sich an die Träger der Landes- und Regionalplanung sowie an Behörden, die sich mit Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landwirtschaft und Flurbereinigung beschäftigen. Es enthält sechs wesentliche Handlungsempfehlungen, die als Leitfaden für zukünftige Planungs- und Schutzmaßnahmen dienen sollen:
1. Streichung von Vorranggebieten für Torfabbau: Um die bestehenden Torflager zu erhalten und die Zerstörung des Wasserhaushalts von Mooren zu verhindern, sollten Vorranggebiete für den Torfabbau abgeschafft werden.
2. Ausbau von Vorranggebieten für natürlichen Klimaschutz: Die Schaffung und Sicherung von Flächen für den Moorbodenschutz und die Wiedervernässung sollten auf raumordnerischer Ebene priorisiert werden, um langfristig aktive Kohlenstoffsenken zu ermöglichen.
3. Etablierung einer überörtlichen Wiedervernässungsplanung: Durch die Schaffung eines fachübergreifenden Plans kann die Eignung von Flächen für die Wiedervernässung besser identifiziert und Nutzungskonflikte können gelöst werden. Dies ermöglicht auch eine Priorisierung der Projekte.
4. Gezielte Steuerung von Folge-Nutzungen: Innovative Ansätze wie Moor-Photovoltaik und Paludikultur sollten gefördert werden, um durch wirtschaftlich tragfähige Nachnutzungen die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.
5. Sicherung von Finanzierung und Akzeptanz: Die Bereitstellung ausreichender Förderprogramme, Beratungsangebote und die frühzeitige Einbindung von Grundstückseigentümern sind entscheidend, um die Akzeptanz für Wiedervernässungsprojekte zu gewährleisten.
6. Optimierung des Flächenmanagements: Flurbereinigungsverfahren sollten so gestaltet werden, dass sie die Beschaffung und den Tausch von Flächen für Wiedervernässungsprojekte erleichtern.
Die Verfasser des Positionspapiers sind sich einig, dass ein effektiver Schutz der Moorböden nur durch verbindliche planerische Vorgaben, koordinierte überörtliche Planung, flexible Nutzungskonzepte und umfassende Förderprogramme erreicht werden kann. Wesentlich sind auch klare Zuständigkeiten, ausreichende finanzielle Mittel sowie die Unterstützung durch lokale Akteure, um die großflächige Wiedervernässung von Mooren sowie die Ziele des natürlichen Klimaschutzes zu realisieren.
Die ARL appelliert an alle relevanten Entscheidungsträger, diese Empfehlungen zu berücksichtigen, um den Schutz und die Wiederherstellung von Moorböden voranzutreiben. Die Herausforderungen in diesem Bereich sind groß, aber mit einer koordinierten und gut durchdachten Raumordnung kann eine nachhaltige Lösung gefunden werden, die sowohl dem Klimaschutz dient als auch die Biodiversität und den Erhalt von Ökosystemen unterstützt.
Für weitere Informationen und wissenschaftliche Anfragen stehen die Autoren des Positionspapiers, Dr. Katharina Kapitza und Dr.-Ing. Martin Sondermann, gerne zur Verfügung.


















































