
Die Analyse von Satellitendaten der GRACE-Missionen zeigt, dass die Wasserverhältnisse in Deutschland und Europa seit 2015 zunehmend schwieriger werden. Diese Beobachtungen stammen von der Satellitenmission GRACE Follow-On, die vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Zusammenarbeit mit der NASA und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt wird. Die neuesten Daten belegen, dass sich das Wasserdefizit in den vergangenen Jahren erheblich verschärft hat.
Die GRACE-Satelliten messen den Gesamtwassergehalt (TWS, Terrestrial Water Storage) sowohl auf der Erdoberfläche als auch unter der Erde. Diese Messungen ermöglichen es den Wissenschaftlern, Veränderungen in der Wasserspeicherung präzise zu berechnen. In Deutschland zeigen die aktuellen Zahlen einen besorgniserregenden Trend: „Seit 2015 haben wir eine Zunahme der Trockenheit festgestellt, verglichen mit den 15 Jahren davor“, erklärt Prof. Annette Eicker, Leiterin der Sektion Globales Geomonitoring am GFZ. Auch wenn das Jahr 2024 durch überdurchschnittliche Niederschläge eine kleine Erholung brachte, folgte sofort darauf ein starker Rückgang der Wasserspeicherung, so Prof. Andreas Güntner, der die hydrologische Sektion leitet.
Die Daten von GRACE Follow-On dokumentieren nicht nur die oberflächliche Bodenfeuchtigkeit, sondern auch die Veränderungen im Grundwasser. „Der Rückgang der Grundwasserspeicherung ist der Hauptgrund für den langfristigen Abwärtstrend in der Wasserspeicherung in Deutschland“, erläutert Güntner. Dr. Eva Börgens von der Sektion Erdsystemmodellierung hat die neuesten Daten analysiert und festgestellt, dass im Sommer 2025 ein Rückgang der Gesamtwasserspeicherung beobachtet wurde, der in den bisherigen Aufzeichnungen von GRACE und GRACE Follow-On ohne Beispiel ist. Im Juni 2026 lag die Wasserspeicherung in Deutschland auf dem gleichen besorgniserregenden Niveau wie im Jahr 2025, was im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt einem Defizit von 25 Gigatonnen entspricht – eine Menge, die etwa dem Wasserinhalt des gesamten Bodensees entspricht.
Die Forscher befürchten, dass sich die Wasserspeicherung bis zum Jahresende nicht erholen wird, selbst wenn der Herbst mehr Niederschläge bringt. Ein weiterer beunruhigender Aspekt ist, dass die Daten bis Juni 2026 die Auswirkungen der extremen Hitzewellen, die Deutschland in diesem Sommer erlebte, noch nicht widerspiegeln. Die Folgen dieser Hitzewellen werden erst in den kommenden Monaten in den Daten sichtbar werden. Hohe Temperaturen tragen erheblich zur Reduzierung der Wasserspeicherung bei: Eine erhöhte Verdunstung aus Oberflächengewässern und eine gesteigerte Verdunstung von Pflanzen führen dazu, dass der Boden Wasser verliert, das für die Wurzeln nicht mehr zugänglich ist.
Die Analyse der Niederschlagsdaten zeigt zwar keinen langfristigen negativen Trend in den Niederschlagsmengen, jedoch ist ein Anstieg der potenziellen Verdunstung aufgrund steigender Lufttemperaturen festzustellen. Dies bedeutet, dass die Menge an Wasser, die vom Boden in die Atmosphäre abgegeben werden kann, zunimmt. Eine räumliche Analyse der Satellitendaten zeigt ein konsistentes Muster über die letzten 10 bis 15 Jahre: Besonders im Süden, Südwesten und Osten Deutschlands sind die Defizite in der Wasserspeicherung im Juni 2026 signifikant ausgeprägt, während der Nordwesten weniger betroffen ist.
Die Satellitenmissionen GRACE (2002 bis 2017) und GRACE-FO (seit 2018) liefern seit 2002 wertvolle Daten. Sie bestehen aus zwei Satelliten, die die Änderungen der Erdanziehung messen, wodurch monatliche Karten der Massenverteilung der Erde erstellt werden können. Diese Karten spiegeln vor allem die Veränderungen in der Wasserspeicherung wider. Die räumliche Auflösung der Daten liegt bei etwa 250 mal 250 Kilometern, was bedeutet, dass keine kleinräumigen Aussagen getroffen werden können. Vergleiche mit Grundwassermessstellen und meteorologischen Daten bestätigen jedoch die ermittelten Trends.
Die jüngsten Beobachtungen des Niedrigwassers im Rhein verdeutlichen die Dringlichkeit der Situation. Es ist klar, dass Deutschland und Europa sich in einem kritischen Zustand hinsichtlich ihrer Wasserressourcen befinden, und es bedarf dringender Maßnahmen, um diese Herausforderung anzugehen.


















































