
Am 10. September 2026 wurden im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Berlin drei bedeutende Projekte im Bereich der Citizen Science ausgezeichnet. Diese Projekte, die durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und engagierten Bürgern entstanden sind, decken wichtige Themen wie Umweltverschmutzung, Gesundheitsversorgung und Bodenqualität ab. Der Forschungspreis „Wissen der Vielen“ wurde von Wissenschaft im Dialog (WiD) in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde verliehen. Die Auszeichnung trägt dazu bei, die Bedeutung der Bürgerwissenschaft in der Forschung zu stärken und die aktive Teilnahme der Bevölkerung an wissenschaftlichen Projekten zu fördern.
Die Preisträger wurden für ihre herausragenden Leistungen im Bereich der Citizen Science gewürdigt, wobei insgesamt 35.000 Euro an Preisgeldern verteilt wurden. Diese finanzielle Unterstützung ist dazu gedacht, die Forschungstätigkeiten der ausgezeichneten Wissenschaftler weiter auszubauen und zu fördern.
Die erste Auszeichnung, die mit einem Preisgeld von 20.000 Euro dotiert ist, ging an Dr. Sinja Dittmann von der Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik sowie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Sie wurde für die Publikation „Temporal variability of litter pollution of rivers in Germany – A long-term assessment by schoolchildren as citizen scientists“ ausgezeichnet, die 2024 im Marine Pollution Bulletin veröffentlicht wurde. In diesem Projekt, das unter dem Namen „Plastic Pirates“ bekannt ist, sammelten und dokumentierten etwa 23.000 Schülerinnen und Schüler zwischen 2016 und 2022 Müll an Flussufern. Die Ergebnisse zeigten, dass insbesondere Kunststoffabfälle und Zigarettenstummel häufig vorkamen. Die Studie identifizierte Freizeitaktivitäten als eine der Hauptquellen der Abfallansammlung an den Ufern und verdeutlichte den Mehrwert von Citizen Science, indem sie wichtige Langzeitdaten zur Bekämpfung der Verschmutzung von Gewässern lieferte.
Der zweite Platz, der mit 10.000 Euro honoriert wurde, ging an Anna Köster-Eiserfunke von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Ihre Arbeit „’Veddel, wie geht´s?’ – eine Bedarfserhebung für die Primärversorgung“ erschien 2025 im Public Health Forum. Die Studie beleuchtet die Herausforderungen bei der Gesundheitsversorgung im Stadtteil Veddel, der durch eine jüngere und stärker von Migration geprägte Bevölkerung gekennzeichnet ist. Die Untersuchung, die 561 Haushalte einbezog, offenbarte signifikante Armutsrisiken und gesundheitliche Belastungen, die durch eine partizipative Herangehensweise ermittelt wurden. Dies zeigt, wie wichtig die Einbindung lokaler Akteure für die Identifikation spezifischer Bedürfnisse in der Gesundheitsversorgung ist.
Den dritten Platz, mit einem Preisgeld von 5.000 Euro, erhielt Prof. Dr. Christoph Koch von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Seine Forschung mit dem Titel „Investigation of inorganic nutrients and pollutants in private gardens in central Germany using citizen science“ wurde 2025 in der Zeitschrift Environmental Challenges veröffentlicht. Diese Studie befasste sich mit der Bodenqualität in privaten Gärten in Thüringen, wo die Wissenschaft oft vor der Herausforderung steht, Zugang zu solchen Flächen zu erhalten. Im Rahmen des Projekts „Expedition Boden“ sammelten 241 Bürger Bodenproben und erhielten anschließend Informationen über Nährstoff- und Schadstoffkonzentrationen. Diese Ergebnisse zeigten teils erhöhte Schwermetallwerte und ermöglichten es den Gartenbesitzern, mehr über die Qualität ihres Bodens zu erfahren, was zur Verbesserung der Umweltbedingungen und der Lebensmittelsicherheit beitragen kann.
Der Forschungspreis „Wissen der Vielen“ wurde 2023 ins Leben gerufen, um herausragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich der Bürgerwissenschaft zu würdigen. Eine interdisziplinäre Jury, bestehend aus renommierten Professoren, bewertet die eingereichten Arbeiten. Die Preisverleihung fand im Rahmen der PartWiss 2026-Konferenz statt, die sich der Vernetzung und Stärkung von Partizipation in der Wissenschaft widmet.
Die ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie Bürgerwissenschaft dazu beiträgt, drängende gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen und das Wissen der Gemeinschaft in die Forschung zu integrieren. Dies fördert nicht nur das Bewusstsein für aktuelle Themen, sondern auch die aktive Mitgestaltung der Bürger an wissenschaftlichen Prozessen.


















































