Neue Perspektiven auf die englische Sprache: Geolinguale Studien im urbanen Raum**

Neue Perspektiven auf die englische Sprache: Geolinguale Studien im urbanen Raum**

Die englische Sprache hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer der bedeutendsten Kommunikationsformen weltweit entwickelt. Sie findet sich in den Bildungssystemen zahlreicher Länder, dominiert den internationalen Handel und spielt eine zentrale Rolle im Internet. Während viele Menschen bei der Vorstellung von Englisch an die Sprachstandards aus den Vereinigten Staaten oder dem Vereinigten Königreich denken, gibt es insbesondere in großen Metropolen wie Singapur, Hongkong und Tokio eine Vielzahl von Englisch-Varianten. Diese unterschiedlichen Formen des Englischen sind seit den 1980er Jahren zunehmend in den Fokus der Sprachwissenschaft gerückt, insbesondere durch das Forschungsfeld der sogenannten „World Englishes“.

Ein neu gegründeter interdisziplinärer Fachbereich, die Geolingual Studies (GLS), hat es sich zur Aufgabe gemacht, die sprachlichen Variationen und deren räumliche Verteilung systematisch zu analysieren. Dieser Fachbereich vereint Methoden aus der Linguistik, Geographie, Fernerkundung und Digital Humanities, um ein umfassendes Bild der sprachlichen Vielfalt zu zeichnen. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat sich ein engagiertes Team von Forschenden zusammengefunden, das sich auf die Wechselwirkungen zwischen Sprache und Raum spezialisiert hat.

In diesem Kontext wurde ein Sammelband veröffentlicht, der sich mit den verschiedenen Englisch-Varianten in städtischen Umgebungen beschäftigt. Der Titel des Buches lautet „Geolingual Studies on Urban Space“, herausgegeben von Professorin Carolin Biewer, die den Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft leitet, sowie ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dr. Lisa Lehnen und Dr. Ninja Schulz. Unterstützt wurden sie von Professor Hannes Taubenböck, der den Lehrstuhl für Globale Urbanisierung und Fernerkundung am Earth Observation Research Cluster innehat und zudem für die Abteilung „Georisiken und zivile Sicherheit“ am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig ist.

Der Sammelband umfasst zehn Kapitel, in denen Forschende aus den Bereichen Linguistik und Erdbeobachtung unterschiedliche methodische Ansätze zur Untersuchung urbaner Räume präsentieren. Hierbei kommen objektive Daten aus der Fernerkundung, wie Satelliten- und Drohnenbilder, zum Einsatz. Diese Daten liefern wertvolle Informationen über die Entwicklung städtischer Siedlungen, die strukturelle Variabilität, zentrale und periphere Lagen sowie über Mobilitäts- und Migrationsströme im Zeitverlauf. Die Kombination dieser Daten mit dem Verständnis von Sprache als einem Marker für Gruppenzugehörigkeit eröffnet neue Perspektiven auf das städtische Leben und die Wahrnehmung durch die Bewohner.

Neben der Analyse aus der Vogelperspektive verwenden die Autorinnen und Autoren auch Daten aus sozialen Medien, Zeitungsartikeln, Umfragen und ethnographischen Beobachtungen. Besonders Beiträge von Plattformen wie Twitter (heute „X“) können aufschlussreiche Informationen über die Emotionen der Nutzer in Bezug auf ihr urbanes Umfeld liefern und deren Wahrnehmung der Stadt dokumentieren. Geotags oder der Inhalt der Posts zeigen oft, in welchem städtischen Kontext die Beiträge verortet sind.

Professorin Biewer betont, dass die Geolingual Studies es ermöglichen, Megastädte als komplexe und dynamische urbane Räume zu analysieren, in denen soziokulturelle Trends und Transformationen deutlich sichtbar werden. Die Disziplin bietet somit einen systematischen Rahmen für linguistische Analysen, die das Verständnis von Sprache und Raum vertiefen.

Die Veröffentlichung des Sammelbands stellt einen bedeutenden Schritt in der Erforschung der vielfältigen Erscheinungsformen der englischen Sprache dar. Sie trägt dazu bei, die Komplexität der sprachlichen Realität in urbanen Kontexten besser zu erfassen und fördert das interdisziplinäre Verständnis von Sprache in einer globalisierten Welt. Wissenschaftler, die an dieser Thematik interessiert sind, können sich direkt an die Herausgeber wenden, um weitere Informationen zu erhalten oder an Diskussionen über die aktuellen Forschungsergebnisse teilzunehmen.