
Eine umfassende Analyse der Eisdynamik in Grönland und der Antarktis zeigt, dass die Eisschilde seit den 1970er Jahren insgesamt etwa elf Billionen Tonnen Eis verloren haben. Dies hat zu einem Anstieg des globalen Meeresspiegels um mehr als drei Zentimeter geführt. Ein internationales Forschungsteam, darunter Wissenschaftler von der Technischen Universität Dresden, hat diese Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Scientific Data“ veröffentlicht. Die Studie stützt sich auf den umfangreichsten Datensatz, der jemals zu diesem Thema zusammengestellt wurde, und bietet einen tieferen Einblick in die Prozesse, die diesen dramatischen Eisverlust verursachen.
Mit einem Verlust von elf Billionen Tonnen Eis, was einem Volumen von 11.000 km³ entspricht, ist der Rückgang der Eismassen alarmierend. Um dies zu verdeutlichen: Würde man das verlorene Wasser über die Fläche Deutschlands verteilen, würde eine Schicht von 31 Metern Dicke entstehen. Global betrachtet, hat dieser Eisverlust im Durchschnitt die Meeresspiegelhöhe um 3,1 Zentimeter angehoben. Dabei trägt Grönland mit 1,8 Zentimetern den größeren Teil zu diesem Anstieg bei, während die Antarktis 1,3 Zentimeter beisteuert.
Ein bemerkenswerter Aspekt der Studie ist, dass 84 % des gesamten Eisverlusts auf die Beschleunigung der Gletscherbewegungen zurückzuführen sind, die das Eis direkt ins Meer transportieren. Lediglich 16 % des Verlusts resultieren aus Oberflächenschmelze. Diese Erkenntnisse belegen, dass die Dynamik der Gletscher, die stärker und schneller ins Wasser fließen, die Hauptursache für den Eisverlust darstellt und nicht der Schmelzprozess an der Oberfläche.
Die Forschungsergebnisse wurden durch die Kombination von Daten aus 42 unabhängigen Satellitenmissionen erzielt, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Informationen gesammelt haben. Diese Daten reichen für Grönland bis ins Jahr 1972 und für die Antarktis bis 1979 zurück. Durch die Auswertung von Satellitenmessungen zur Eisdicke und der Erdanziehungskraft wurde es möglich, präzise Aussagen über die Veränderungen der Eismassen zu treffen.
Die Analyse zeigt einen alarmierenden Trend: Die Eismassenverluste haben seit den 1990er Jahren stark zugenommen. Grönland, das in den 1970er Jahren noch weitestgehend im Gleichgewicht war, verzeichnete einen Anstieg seiner jährlichen Verlustrate von etwa 60 Milliarden Tonnen in den 1980er Jahren auf 264 Milliarden Tonnen in den 2010er Jahren. Auch die Antarktis zeigt eine steigende Verlustkurve, die von 48 Milliarden Tonnen pro Jahr in den 1980er Jahren auf 202 Milliarden Tonnen in den 2010er Jahren anstieg.
Besonders besorgniserregend ist die Eisdynamik in der Westantarktis, wo Gletscher wie der Pine-Island- und Thwaites-Gletscher kontinuierlich an Geschwindigkeit zugenommen haben. In den letzten Jahren gab es zwar eine vorübergehende Verlangsamung des Eisverlusts, bedingt durch Rekordschneefälle in der Ostantarktis und milde Sommer in Grönland, jedoch handelt es sich dabei um kurzfristige Schwankungen im Kontext eines klaren langfristigen Trends.
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung der Eisschilde für den zukünftigen Meeresspiegelanstieg und die damit verbundenen Risiken für Millionen von Menschen, die in niedrig gelegenen Küstengebieten leben. Dr. Inès Otosaka, die leitende Autorin der Studie, hebt hervor, dass über 80 % des verlorenen Eises durch die dynamische Reaktion der Gletscher auf die Erwärmung der Ozeane transportiert werden. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, die langfristigen Trends im Verhalten der Eisschilde zu beobachten, um die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die umfassende Analyse des Eisverlusts in Grönland und der Antarktis alarmierende Ergebnisse liefert, die weitreichende Konsequenzen für den globalen Meeresspiegel und die menschliche Gesellschaft haben könnten. Die fortlaufende Forschung ist entscheidend, um die Dynamik der Eisschilde und ihre Reaktionen auf das sich verändernde Klima besser zu verstehen und fundierte Maßnahmen zum Schutz unserer Küstenregionen zu entwickeln.


















































