
Ein internationales Forschungsteam, bestehend aus Wissenschaftlern des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums in Frankfurt, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Halle-Jena-Leipzig sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, hat sich mit dem Einfluss von Klimaveränderungen auf die Vielfalt der Säugetiere in Zentralasien während des Paläogens beschäftigt. Diese bedeutende Zeitspanne, die etwa von 66 bis 23 Millionen Jahren vor unserer Zeitrechnung reicht, stellt eine entscheidende Phase in der Evolution der Säugetiere dar. Die Ergebnisse dieser Studie wurden kürzlich im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.
Das Paläogen begann nach dem Aussterben der Dinosaurier und führte zu einer raschen Etablierung der Säugetiere als dominierende Gruppe unter den Landwirbeltieren. Die Forscher interessierten sich insbesondere für die Frage, wie sich die Tiergemeinschaften in dieser Zeit verändert haben und welche Rolle die klimatischen Bedingungen dabei spielten. Unter der Leitung von Dr. Gemma Louise Benevento, einer Expertin auf dem Gebiet der Biodiversitätsforschung, wurde eine detaillierte Analyse der Fossilfunde aus der Mongolei und China durchgeführt.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung war die Identifizierung von drei markanten Phasen, in denen sich die Zusammensetzung und Vielfalt der Säugetiergemeinschaften erheblich veränderten. Diese Phasen sind direkt mit bedeutenden Klimaveränderungen in Verbindung zu bringen. Die erste Phase fiel mit dem Paläozän-Eozän-Temperaturmaximum vor etwa 56 Millionen Jahren zusammen, als die Erde in einem relativ kurzen Zeitraum von etwa 100.000 Jahren um fünf bis zehn Grad Celsius erwärmte. Diese warme Periode führte zu einer massiven Zunahme der Säugetierarten, die sich in dieser Zeit sogar verdreifachten.
Die zweite Phase war durch eine Abkühlung beim Übergang vom Eozän zum Oligozän vor rund 33,9 Millionen Jahren gekennzeichnet. Diese Phase war der Auftakt zu einem langfristigen Prozess, der den Übergang zu einer kühleren „Eishauswelt“ mit polaren Eiskappen einleitete. Zusätzlich entdeckten die Forscher eine dritte, regionale Trockenphase in Zentral-Ostasien während des mittleren Eozäns, etwa vor 40 Millionen Jahren. Diese Trockenheit wurde anhand geologischer und ökologischer Analysen nachgewiesen, die auf eine Abnahme der Verwitterungsintensität und einen Anstieg von Pollentypen hindeuteten, die mit Wüstenlandschaften assoziiert sind.
Die Erkenntnisse der Studie zeigen, dass die klimatischen Veränderungen nicht nur globaler Natur waren, sondern auch regionale Auswirkungen hatten, die die Säugetiergemeinschaften entscheidend beeinflussten. So führte die kurze Erwärmungsphase zu einer anhaltenden Begrünung der Wüsten und einer Zunahme der Artenvielfalt. Umgekehrt sorgten die anschließende Abkühlung und die damit verbundene Austrocknung für einen Rückgang der Artenvielfalt und eine Verringerung der Körpergrößen der Säugetiere.
Die Forscher vermuten, dass die frühere Austrocknung in Zentralasien im Zusammenhang mit Veränderungen in den Luftströmungen stand, die durch den Rückzug des Paratethys-Meeres und die Hebung des Tibetischen Plateaus verursacht wurden. Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass regionale klimatische Veränderungen einen ähnlich tiefgreifenden Einfluss auf die Säugetiergemeinschaften ausüben können wie globale Klimaereignisse.
Diese Erkenntnisse sind nicht nur für das Verständnis der Geschichte der Säugetiere von Bedeutung, sondern bieten auch wichtige Hinweise auf die heutigen Herausforderungen, die die Artenvielfalt durch den Klimawandel bedrohen. Um die Gefahren für die heutige Biodiversität zu erkennen, ist es entscheidend, sowohl globale als auch lokale klimatische Veränderungen zu berücksichtigen. Aspekte wie Wasserverfügbarkeit, Feuchtigkeitstransport und Lebensraumverschiebungen müssen in die Analysen einfließen, um die Reaktionen der modernen Säugetiergemeinschaften auf zukünftige klimatische Veränderungen besser einschätzen zu können.


















































