
Im Vorfeld der bevorstehenden Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 hat der Stifterverband eine umfassende Untersuchung der bildungspolitischen Positionen der im Rennen befindlichen Parteien vorgenommen. Die Analyse konzentriert sich auf zwei entscheidende Aspekte des Berliner Bildungssystems: die Rekrutierung und Qualifizierung von Lehrkräften sowie die Förderung von Schülern durch gezielte Kooperationen zwischen Schulen und externen Bildungsanbietern.
Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen, dass die Parteien die Herausforderungen des Bildungssystems in Berlin grundsätzlich anerkennen. In ihren Programmen finden sich diverse Ansätze zur Verbesserung der Lehrerausbildung und zur Öffnung der Schulen in Richtung einer stärkeren Vernetzung mit der Gesellschaft. Dennoch bleibt die Entwicklung klarer, langfristiger Strategien zur Sicherstellung des Lehrkräftebedarfs sowie zur systematischen Etablierung von schulisch-außerschulischen Kooperationen in vielen Fällen unzureichend.
Im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern ist die Ausgangslage in Berlin relativ positiv, da der Lehrkräftebedarf bis 2035 theoretisch gedeckt werden kann. Dennoch gibt es an beruflichen Schulen erhebliche Engpässe, die nicht ignoriert werden können. Zudem zeigt sich ein besorgniserregender Trend: Während der Übergang von der Bachelor- zur Master-Ausbildung für Lehrkräfte immer weniger Personen erfolgreich bewältigen, gelingt es nur einer geringen Anzahl von Absolventen, ihre Ausbildung im Referendariat abzuschließen. Dies führt dazu, dass viele potenzielle Lehrkräfte nicht in den Beruf einsteigen, was die Situation weiter verschärft.
Die Analyse hebt hervor, dass die Parteien in ihren Wahlprogrammen Themen wie Personalbindung, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und flexiblere Zugangswege zur Lehrerausbildung ansprechen. Der Stifterverband sieht jedoch einen der größten ungenutzten Hebel zur Deckung des Lehrkräftebedarfs in der Notwendigkeit, den Verlust von angehenden Lehrkräften über verschiedene Ausbildungsphasen hinweg zu minimieren. Diese Problematik wird in den Wahlprogrammen jedoch nur unzureichend behandelt.
Ein weiterer zentraler Aspekt der Analyse ist die Frage, inwiefern Schulen in der Lage sind, effektive Partnerschaften mit außerschulischen Bildungsakteuren zu etablieren. Angesichts der abnehmenden Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern können Kooperationen mit Institutionen wie Stiftungen, Vereinen, Unternehmen und Hochschulen entscheidende Impulse zur Förderung grundlegender Kompetenzen, insbesondere in den Bereichen MINT sowie sozial-emotionaler Fähigkeiten, bieten.
Obwohl viele Wahlprogramme Ansätze zur Zusammenarbeit zwischen Schulen und externen Akteuren erwähnen – insbesondere im Kontext von Ganztagsangeboten, Berufsorientierung und Demokratiebildung – bleiben viele Potenziale ungenutzt. Es fehlt an einer übergreifenden Strategie, die klare Ziele, Qualitätsstandards und unterstützende Strukturen für diese Kooperationen definiert. Besonders die Nutzung außerschulischer Bildungsangebote zur Stärkung von MINT-Kompetenzen und anderen Basiskompetenzen wird nur sporadisch thematisiert. Formate wie Schülerakademien, Schülerlabore oder Strategien zur Förderung der Teilnahme an Wettbewerben werden in den Programmen kaum erwähnt.
Volker Meyer-Guckel, Generalsekretär des Stifterverbandes, betont, dass Berlin zwar theoretisch in der Lage ist, den Lehrkräftebedarf zu decken, doch dieser Umstand verdecke die wesentliche Herausforderung: den akuten Mangel an Lehrkräften für berufliche Schulen. Der Erfolg der Ausbildung zukünftiger Fachkräfte steht auf dem Spiel. Darüber hinaus wird der Verlust angehender Lehrer zwischen Studium, Vorbereitungsdienst und dem Berufseinstieg nicht ausreichend thematisiert, was auf eine Lücke in den Wahlprogrammen hinweist.
Um die Zukunftsfähigkeit der Berliner Bildungspolitik zu gewährleisten, sollte die künftige Landesregierung die Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung sowie den Ausbau von schulisch-außerschulischen Kooperationen zu zentralen politischen Prioritäten erheben. Ein starkes und gerechtes Bildungssystem ist unabdingbar, damit junge Menschen ihr Potenzial entfalten können und aktiv an der Gestaltung der Zukunft ihrer Stadt mitwirken. Die vollständige Analyse der bildungspolitischen Wahlprogramme zur Abgeordnetenwahl in Berlin kann über die Website des Stifterverbandes heruntergeladen werden.


















































