Strategien zur Verzögerung der Kirschblüte zur Reduzierung von Frostschäden**

Strategien zur Verzögerung der Kirschblüte zur Reduzierung von Frostschäden**

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in der Landwirtschaft deutlich spürbar, insbesondere bei Obstbäumen, die häufig früher blühen. Diese vorzeitige Blüte erhöht das Risiko, dass die Blüten durch Spätfröste im Frühling beschädigt werden. Eine aktuelle Untersuchung an der Georg-August-Universität Göttingen hat gezeigt, dass der Einsatz eines speziellen Pflanzenwachstumsregulators, bekannt als Ethephon, dazu beitragen kann, die Blütezeit der Süßkirschsorte „Kordia“ zu verzögern. Dies könnte eine vielversprechende Methode sein, um die Kirschblüte von der Zeit möglicher Frostgefahr zu entkoppeln.

Die Forschung wurde auf verschiedenen Obstplantagen in Niedersachsen durchgeführt, wo die Wissenschaftler die Wirkung von zwei unterschiedlichen Konzentrationen von Ethephon testeten. Diese Behandlungen erfolgten entweder im frühen oder im späten Herbst, und die Ergebnisse wurden im Frühjahr 2024 analysiert. An der Studie nahmen insgesamt 80 Bäume aus zwei Süßkirschsorten und zwei Apfelsorten teil. Die Forscher verfolgten die Blütenentwicklung an markierten Ästen und erfassten die Anzahl der Blütenknospen während der verschiedenen Entwicklungsphasen.

Die Ergebnisse der Untersuchung waren vielversprechend. Bei der Süßkirschsorte „Kordia“ waren am 9. April 88 Prozent der Blütenknospen an unbehandelten Bäumen geöffnet, während nur 56 Prozent der Knospen nach einer hochdosierten Ethephon-Behandlung im Frühherbst und 63 Prozent nach einer niedrigen Ethephon-Dosis im Spätherbst blühten. Dies deutet darauf hin, dass die Anwendung von Ethephon im Herbst eine effektive Methode zur Verzögerung der Blüte bei bestimmten Süßkirschsorten darstellen kann.

Dr. Wiebke Kämper, die Leiterin der Studie, betont, dass diese Entdeckung eine wertvolle Option für Obstbauern darstellen könnte, um das Risiko von Frostschäden zu minimieren. Allerdings war die Wirkung des Ethephon nicht bei allen getesteten Sorten gleich. Während die Sorte „Kordia“ von der Behandlung profitierte, zeigte die Anwendung bei den anderen getesteten Sorten wie „Bellise“, „Elstar“ und „Kanzi“ keine signifikanten Veränderungen in der Blütezeit. Dies macht deutlich, dass die Reaktion auf den Pflanzenwachstumsregulator stark von der spezifischen Art und Sorte sowie von der angewandten Dosierung abhängt.

Die Forschungsergebnisse werfen auch die Frage auf, wie sich unterschiedliche klimatische Bedingungen auf die Blütezeiten auswirken. Der außergewöhnlich milde Frühling im Jahr 2024 könnte die Ergebnisse beeinflusst haben und die Forscher empfehlen, weitere Studien durchzuführen. Diese sollten verschiedene Sorten, unterschiedliche Regionen und über mehrere Jahre hinweg untersucht werden, um verlässliche Empfehlungen für die Praxis zu entwickeln.

Die Studie wurde im Rahmen des Förderprogramms „Horizont Europa“ der Europäischen Union finanziert und unterstützt durch den Open-Access-Publikationsfonds der Universität Göttingen. Die Resultate der Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift BMC Plant Biology veröffentlicht und bieten wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Obstbaupraxis.

Für Obstbauern ist es von entscheidender Bedeutung, Strategien zu entwickeln, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen. Die Möglichkeit, die Blütezeit durch den Einsatz von Ethephon zu steuern, könnte eine effektive Maßnahme sein, um die Ernteerträge zu sichern und die Qualität der Früchte zu verbessern. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass durch gezielte Forschung und innovative Ansätze die negativen Auswirkungen von Frostschäden auf die Obstproduktion reduziert werden können.