
Eine bahnbrechende Studie zur Evolution der Fledermäuse, die genetische Daten mit fossilen Funden kombiniert, hat faszinierende Einblicke in die Herkunft dieser einzigartigen Säugetiere geliefert. Angeführt von einem internationalen Team mit 137 Wissenschaftlern aus 64 Ländern, darunter Forscher des Museums für Naturkunde in Berlin, zeigt die Untersuchung, dass Fledermäuse vermutlich vor etwa 65 Millionen Jahren in Europa entstanden sind. Diese Erkenntnis stellt die bisherige Annahme in Frage, dass ihr Ursprung in Asien, Afrika oder Nordamerika zu finden sei.
Die Forscher konnten durch die Analyse von 103 Fledermausarten und 44 fossilen Exemplaren eine umfassende Sammlung von Genomen erstellen, die alle 21 anerkannten Fledermausfamilien repräsentiert. „Mit modernsten DNA-Sequenzierungstechniken und computergestützten Methoden haben wir die Genome untersucht und miteinander verglichen, um die evolutionären Zusammenhänge zu verstehen“, erläutert Prof. Michael Hiller vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt, einer der Hauptautoren der Studie.
Ein zentraler Aspekt der Forschung ist die frühzeitige Entwicklung der Echoortung und der Flugfähigkeit bei Fledermäusen. Die Analyse deutet darauf hin, dass diese beiden charakteristischen Merkmale bereits in den frühen Evolutionsphasen entstanden sind. Dies könnte entscheidend für den evolutionären Erfolg der Fledermäuse in den letzten 65 Millionen Jahren gewesen sein. Die Untersuchung bietet zudem wertvolle Hinweise für die Erforschung der genetischen Grundlagen der bemerkenswerten Langlebigkeit und Krankheitsresistenz, die viele Fledermausarten aufweisen. Diese Erkenntnisse könnten auch für die menschliche Gesundheit von Bedeutung sein, insbesondere in den Bereichen Altern und Krankheitsresistenz.
Die Studie hebt die Rolle des Bat1K-Konsortiums hervor, das sich der Erstellung hochwertiger Referenzgenome für alle heute lebenden Fledermausarten widmet. Prof. Sonja Vernes von der University of St Andrews, ebenfalls Mitbegründerin von Bat1K, betont die Bedeutung der gesammelten Daten: „Diese außergewöhnliche Sammlung genomischer Daten ermöglicht es uns, die biologischen Eigenschaften der Fledermäuse besser zu verstehen und ihre evolutionären Anpassungen nachzuvollziehen.“
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt der Studie ist die Rekonstruktion des Genoms des gemeinsamen Vorfahren aller lebenden Fledermäuse. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, um die genetischen Variationen innerhalb der Art zu untersuchen und zu verstehen, wie sich die verschiedenen Eigenschaften der Fledermäuse über die Evolution hinweg entwickelt haben. Prof. David Ray von der Texas Tech University hebt hervor, dass die Forschung es der wissenschaftlichen Gemeinschaft ermöglicht, von den kleinsten DNA-Veränderungen bis hin zu größeren genetischen Unterschieden, die in unterschiedlichen Abstammungslinien vorkommen, zu analysieren.
Durch den Einsatz neuartiger Analysemethoden gelang es dem Forschungsteam, viele langjährige Fragen zur Evolution der Fledermäuse zu beantworten. Woher stammen diese Tiere? Wie sind die verschiedenen Familien miteinander verwandt? Diese Fragen wurden durch die umfassende Analyse der Genom- und Fossildaten geklärt. Prof. Emma Teeling von der University College Dublin, eine weitere Hauptautorin, betont die Bedeutung dieser Erkenntnisse: „Nach Jahrzehnten der Forschung verfügen wir nun über einen robusten Stammbaum, der uns hilft, die einzigartigen Eigenschaften der Fledermäuse nachzuvollziehen.“
Die Erkenntnisse der Studie sind nicht nur für die Fledermausforschung von Bedeutung, sondern könnten auch weitreichende Implikationen für das Verständnis der Evolution anderer Tiere und der Mechanismen von Langlebigkeit und Krankheitsresistenz haben. Trotz der ökologischen Bedeutung der Fledermäuse und ihrer außergewöhnlichen biologischen Eigenschaften waren viele grundlegende Fragen zur Evolution dieser Tiere lange Zeit ungeklärt. Die neue Studie hat nun dazu beigetragen, ein klareres Bild von der Evolutionsgeschichte der Fledermäuse zu zeichnen und deren Rolle im Ökosystem besser zu verstehen.
Insgesamt liefert diese umfassende Untersuchung nicht nur neue Erkenntnisse über die Evolution der Fledermäuse, sondern auch einen wertvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Gemeinschaft, indem sie eine solide Grundlage für zukünftige Forschungen in verwandten Bereichen schafft.


















































