
Eine kürzlich durchgeführte Studie im Mount-Elgon-Gebiet in Kenia hat interessante Erkenntnisse über das Verhalten afrikanischer Elefanten in Bezug auf Selbstmedikation hervorgebracht. Diese Untersuchung, die von der Nachwuchsgruppe Ethnopharmakologie und Zoopharmakognosie des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführt wurde, zeigt, dass Elefanten nicht nur Pflanzen zu sich nehmen, wenn sie krank sind, sondern dass auch das lokale Wissen über die Verwendung dieser Pflanzen zur Heilung einen signifikanten Einfluss hat.
Im Rahmen der Studie arbeiteten die Forscher eng mit der Mount Elgon Foundation, der Hochschule Neubrandenburg, der East African Wildlife Society und weiteren lokalen Partnern zusammen, um das Wissen über Heilpflanzen zu dokumentieren. Die Forscher befragten acht lokale Experten, die jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Elefanten haben. Diese Experten berichteten von Beobachtungen, die darauf hindeuten, dass Elefanten gezielt bestimmte Pflanzen auswählen, um medizinische Beschwerden zu lindern. Interessanterweise verwenden auch die indigenen Gemeinschaften in dieser Region viele der gleichen Pflanzen in ihrer traditionellen Medizin.
Die Erkenntnisse über die Selbstmedikation bei Tieren sind nicht neu. Bereits seit den 1970er Jahren ist bekannt, dass verschiedene Tierarten, einschließlich Schimpansen und Vögel, bestimmte Pflanzen nutzen, um Krankheiten zu bekämpfen oder Parasiten zu vertreiben. Der Begriff „Zoopharmakognosie“ beschreibt dieses Verhalten, wobei es bisher vor allem bei asiatischen Elefanten untersucht wurde. Diese neue Studie am Mount Elgon ist jedoch die erste systematische Untersuchung des Themas bei afrikanischen Elefanten.
Die Forscher dokumentierten, welche Pflanzen Elefanten in verschiedenen gesundheitlichen Situationen verwenden und erstellten eine Liste von 39 natürlichen Ressourcen, die diese Tiere möglicherweise medizinisch nutzen. Darunter befinden sich 35 verschiedene Pflanzenarten sowie Mineralien und Böden. Interessanterweise stellte sich heraus, dass 87 Prozent dieser Ressourcen auch in der traditionellen Medizin der lokalen Bevölkerung Anwendung finden. Die Experten identifizierten 25 dieser Pflanzen ausdrücklich als „Medizin für Elefanten“.
Ein besonders faszinierendes Ergebnis der Studie sind die sogenannten „Mode-4-Fälle“, in denen kranke Elefanten gezielt Pflanzen zu sich nehmen, die nicht nur wenig schmackhaft sind, sondern auch keine nahrhaften Eigenschaften aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass die Elefanten möglicherweise versuchen, spezifische Beschwerden zu lindern. Acht Pflanzenarten erfüllten diese Kriterien, darunter Aloe arborescens und Ficus natalensis. In einigen Berichten wurde festgestellt, dass Elefanten weite Strecken zurücklegen, um gezielt zu einem bestimmten Baum zu gelangen, ohne unterwegs zu fressen. Diese Verhaltensweisen deuten auf ein bewusste Auswahl der Pflanzen hin.
Zusätzlich zu diesen Beobachtungen berichteten lokale Experten auch von einem bemerkenswerten Verhalten der Elefantenmütter. Diese verabreichen ihren Kälbern Pflanzenmaterial, was auf eine Form der mütterlichen Fürsorge hinweist. Das Forschungsteam plant, dieses Verhalten in naher Zukunft durch Videoaufnahmen zu dokumentieren, um mehr über die genauen Abläufe und möglichen gesundheitlichen Vorteile zu erfahren.
Die Studie hebt hervor, wie eng das Wissen der Elefanten über Heilpflanzen mit dem der Menschen verknüpft ist. Dr. Fabien Schultz, der Leiter der Nachwuchsgruppe am BNITM, betont, dass der Schutz dieser Lebensräume nicht nur für die Elefanten, sondern auch für die lokale Bevölkerung von Bedeutung ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes im Naturschutz, der sowohl die Gesundheit der Elefanten als auch die der Menschen berücksichtigt.
Die Forschung eröffnet zudem neue Perspektiven für die ethnopharmakologische Wissenschaft. Die Forscher haben pharmakologische Studien zu den am häufigsten genannten Pflanzenarten ausgewertet und festgestellt, dass viele traditionelle Anwendungen mit bekannten therapeutischen Eigenschaften übereinstimmen. Zukünftige Projekte könnten experimentelle Studien zu diesen Pflanzen umfassen, um ihre bioaktiven Inhaltsstoffe und deren Wirkungen weiter zu untersuchen.
Insgesamt verdeutlicht die Studie nicht nur die faszinierende Verbindung zwischen Elefanten und ihrer Umwelt, sondern auch das Potenzial für eine engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und indigenen Gemeinschaften. Das Wissen der Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu diesen Tieren leben, ist ein wertvoller Schatz, der über Generationen weitergegeben wurde und nun für den Schutz und die Gesundheit von Mensch und Tier genutzt werden kann.


















































