Afrikanische Elefanten und ihre Nutzung von Heilpflanzen: Einblicke in traditionelles Wissen und Se…

Afrikanische Elefanten und ihre Nutzung von Heilpflanzen: Einblicke in traditionelles Wissen und Se…

Eine aktuelle Studie, die am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Organisationen und lokalen Gemeinschaften durchgeführt wurde, zeigt interessante Ergebnisse über das Verhalten wildlebender afrikanischer Elefanten im kenianischen Mount-Elgon-Gebiet. Die Forscher beobachteten, dass diese majestätischen Tiere während Krankheitsphasen bestimmte Pflanzen auswählen, die möglicherweise therapeutische Eigenschaften besitzen. Zudem berichten lokale Experten, dass Elefantenmütter ihren Nachkommen pflanzliche „Medizin“ verabreichen, was auf ein tief verwurzeltes Wissen über Heilpflanzen hinweist.

Die Studie wurde von der Nachwuchsgruppe für Ethnopharmakologie und Zoopharmakognosie am BNITM initiiert und umfasst die Zusammenarbeit mit der Mount Elgon Foundation, der Hochschule Neubrandenburg und der East African Wild Life Society. In den letzten Jahrzehnten wurde zunehmend anerkannt, dass Tiere, ähnlich wie Menschen, in der Lage sind, ihre Gesundheit durch die Auswahl bestimmter Pflanzen aktiv zu beeinflussen – ein Phänomen, das unter dem Begriff „Zoopharmakognosie“ bekannt ist. Während es bereits Hinweise darauf gibt, dass asiatische Elefanten zu Selbstmedikationsverhalten neigen, waren systematische Studien zu afrikanischen Elefanten bisher rar.

Im Rahmen der aktuellen Forschung wurden acht lokale Experten befragt, die über jahrzehntelange Erfahrung mit Elefanten verfügen. Diese Experten dokumentierten, welche Pflanzen die Elefanten nutzen, wenn sie sich unwohl fühlen. Bemerkenswerterweise wurden viele dieser Pflanzen auch in der traditionellen Medizin der ansässigen Bevölkerung verwendet. Einige Pflanzen, die in der Studie identifiziert wurden, sind in früheren Arbeiten bereits mit antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht worden.

Die Beobachtungen wurden besonders im biodiverse reichen Gebiet des Mount Elgon durchgeführt, das für seine umfangreiche Flora bekannt ist. Anstatt die Elefanten durch invasive Methoden zu stören, nutzten die Forscher das Wissen und die Beobachtungen der Menschen vor Ort, die jahrelang in der Nähe der Elefanten gelebt haben. Diese „Langzeitbeobachter“ – darunter Wildtierbeobachter und ehemalige Ranger – lieferten wertvolle Informationen über das pflanzliche Verhalten der Elefanten.

Die Experten berichteten über 39 verschiedene natürliche Ressourcen, die, ihrer Meinung nach, von Elefanten gezielt genutzt werden, um gesundheitliche Beschwerden zu behandeln. Überraschenderweise waren 87 Prozent dieser Ressourcen auch in der traditionellen Medizin der Menschen in der Region von Bedeutung. Zudem identifizierten die Forscher acht Pflanzenarten, die als gezielte Selbstmedikationsmittel in speziellen Situationen verwendet werden, was auf ein bewusstes Verhalten der Elefanten hinweist.

Besonders auffällig war das Verhalten von Elefantenmüttern, die ihren Kälbern bestimmte Pflanzen verabreichen. Dieses Verhalten, bekannt als „Allocare“, könnte darauf hindeuten, dass auch die jüngeren Elefanten lernen, welche Pflanzen bei Beschwerden hilfreich sein könnten. Die Forscher planen, dieses Verhalten künftig direkt zu dokumentieren, um den genauen Nutzen der verabreichten Pflanzen zu untersuchen.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie war die Untersuchung des „Salzleckens“. Alle Befragten bestätigten, dass Elefanten mineralreiche Materialien aus Höhlen aufnehmen, was jedoch nicht als medizinisches Verhalten eingestuft wurde. Die Forscher betonen die Bedeutung des Schutzes dieser Lebensräume und der darin wachsenden Pflanzen, da sowohl die Gesundheit der Elefanten als auch der Menschen stark davon abhängt.

Dr. Fabien Schultz, der Leiter der Studie, betont, dass die Ergebnisse die enge Verbindung zwischen der Pflanzenwelt und der Gesundheit von Elefanten und Menschen verdeutlichen. Um die Verhaltensweisen der Elefanten besser zu verstehen, wollen die Forscher künftig untersuchen, ob diese Verhaltensweisen über Generationen hinweg erlernt oder weitergegeben werden.

Die Studie trägt zu einem umfassenderen Verständnis der Selbstmedikation im Tierreich bei und zeigt, wie wichtig das Wissen indigener Gemeinschaften für die Wissenschaft ist. Sie eröffnet neue Wege für die ethnopharmakologische Forschung und könnte dazu führen, dass bestimmte Pflanzen genauer untersucht werden, um ihre potenziellen therapeutischen Eigenschaften zu ermitteln. Letztlich geht es nicht nur um die Entdeckung neuer Medikamente, sondern auch um die Förderung eines ganzheitlichen Ansatzes für Gesundheit, der Mensch, Tier und Ökosystem vereint.