
Im Bereich des ökologischen Zwiebelanbaus haben sich einige traditionelle Landsorten, wie die Sorten „Stunova“ und „Birnenförmige“, als ernstzunehmende Konkurrenz zu den gängigen Hybridsorten erwiesen. Diese Erkenntnisse stammen aus einer umfassenden Untersuchung des Max Rubner-Instituts und der Universität Hohenheim im Rahmen des Projekts „Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau“ (ZwiebÖL). Die Ergebnisse zeigen, dass viele der getesteten Landsorten unter ökologischen Bedingungen vergleichbare Erträge wie moderne Hybriden erzielen können und in einigen Aspekten sogar überlegen sind.
Die mehrjährigen Anbauversuche wurden an verschiedenen Standorten durchgeführt, wobei die untersuchten Landsorten in der Regel sehr gute Erträge lieferten. Besonders hervorzuheben ist die Sorte „Stunova“, die sich durch ihre Stabilität in der Ertragsleistung auszeichnete. Die fränkische Landsorte „Birnenförmige“ überzeugte nicht nur durch ansprechende Erträge, sondern auch durch ihre vorteilhaften Inhaltsstoffe. Zudem reift sie frühzeitig, besitzt eine überdurchschnittliche Lagerfähigkeit und weist eine bessere Stickstoffaufnahme auf als die meisten Hybriden. Diese Eigenschaften machen sie für den ökologischen Anbau besonders attraktiv.
Eine Umfrage unter 112 Zwiebelanbauern, die sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaften, ergab, dass etwa drei Viertel der Befragten ausschließlich Hybridsorten anbauen. Lediglich die ökologisch wirtschaftenden Betriebe nutzen auch samenfeste Landsorten. Interessanterweise zeigten viele der Befragten ein grundsätzliches Interesse an samenfesten Zwiebelvarianten. Die Forscher gehen davon aus, dass die geringe Verbreitung dieser Sorten nicht nur auf die begrenzte Verfügbarkeit von Saatgut zurückzuführen ist, sondern auch auf das fehlende Wissen und die mangelnde Erfahrung im Anbau samenfester Sorten.
Um diesem Wissenstransfer entgegenzuwirken, wurde ein intensiver Austausch mit den Praxisbetrieben gefördert. Die Forscher organisierten zahlreiche Informationsveranstaltungen, um die gewonnenen Erkenntnisse zu verbreiten und die Anbauerfahrung mit samenfesten Zwiebeln zu verbessern. Für die Zukunft halten die Wissenschaftler weitere Untersuchungen über das Anbau-, Qualitäts- und Lagerpotenzial von ausgewählten Landsorten für unumgänglich, um die im Projekt erarbeiteten Kompetenzen weiter auszubauen.
Im Jahr 2025 waren in Deutschland rund 2.000 Betriebe im Zwiebelanbau aktiv, die auf etwa 20.000 Hektar Speisezwiebeln anbauten. Davon wurden etwa elf Prozent ökologisch bewirtschaftet. Trotz des Wachstums des ökologischen Landbaus ist die Verwendung von konventionellem Hybridsaatgut nach wie vor weit verbreitet. Ein wesentlicher Grund dafür ist die begrenzte Verfügbarkeit von Saatgut für samenfeste Sorten sowie das bis dato unzureichende Wissen über deren Vor- und Nachteile.
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) hat das Projekt „Zwiebel-Landsorten für den Ökolandbau“ (ZwiebÖL) initiiert und finanziert, um den ökologischen Anbau von Zwiebeln zu fördern. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) begleitet das Projekt als Träger und unterstützt die Forschung in diesem Bereich.
Die Ergebnisse des Projekts bieten nicht nur eine vielversprechende Perspektive für die Zwiebelproduktion im Ökolandbau, sondern auch einen bedeutenden Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Durch die Förderung und Verbreitung von samenfesten Zwiebelarten könnte der Anbau von Zwiebeln nicht nur ökologischer, sondern auch wirtschaftlich sinnvoller gestaltet werden. Dies könnte dazu beitragen, die Diversität in der Landwirtschaft zu erhöhen und den Landwirten mehr Optionen für ihren Anbau zu bieten.
Insgesamt zeigen die Resultate, dass alte Landsorten im Bio-Zwiebelanbau sowohl in Bezug auf den Ertrag als auch auf die Qualität durchaus mit modernen Hybridsorten konkurrieren können. Eine Rückkehr zu diesen traditionellen Sorten könnte nicht nur für die Umwelt von Vorteil sein, sondern auch die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber zukünftigen Herausforderungen stärken.


















































