Der Einfluss der Meeresbodenintegrität auf das globale Erdsystem: Ein Aufruf zur Bewahrung**

Der Einfluss der Meeresbodenintegrität auf das globale Erdsystem: Ein Aufruf zur Bewahrung**

Der Meeresboden spielt eine entscheidende Rolle im globalen Erdsystem, ist jedoch zunehmend durch menschliche Aktivitäten gefährdet. In einer aktuellen Studie, die im Rahmen des Planetary Health Check 2026 veröffentlicht wurde, wird die Bedeutung der Meeresbodenintegrität beleuchtet. Der Meeresboden fungiert nicht nur als Lebensraum für zahlreiche Organismen, sondern auch als bedeutender Kohlenstoffspeicher und ist Teil wichtiger globaler Stoffkreisläufe. Dennoch sind die Auswirkungen menschlicher Eingriffe wie Fischerei, Rohstoffabbau und Schifffahrt auf diesen sensiblen Lebensraum alarmierend.

Die Ozeane bedecken etwa zwei Drittel der Erdoberfläche, und der Meeresboden liegt im Durchschnitt fast vier Kilometer unter der Oberfläche. Historisch gesehen war dieser Bereich aufgrund seiner Tiefe und der damit verbundenen Herausforderungen für den Menschen schwer zugänglich. Doch die Situation hat sich verändert: Moderne Technologien erlauben es, bis in Tiefen von etwa 4.000 Metern vorzudringen. So verursacht die Grundschleppnetzfischerei bereits jährlich Störungen auf bis zu 2 % des globalen Meeresbodens. Einzelne Abbauprojekte, wie etwa die Förderung von Manganknollen, können enorme Flächen von über 200 Quadratkilometern direkt beeinflussen. Die Auswirkungen dieser Eingriffe erstrecken sich von der Küste bis in Tiefen von mehr als 6.000 Metern.

Die Wichtigkeit des Meeresbodens als aktives Ökosystem ist enorm. Er beherbergt Riffe, Schwammgründe, Muschelbänke und zahlreiche grabende Organismen, die nicht nur Lebensräume schaffen, sondern auch den Austausch von Kohlenstoff und Nährstoffen zwischen dem Sediment und dem Wasser regulieren. Jacob Geersen, Meeresgeowissenschaftler am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, betont: „Wir müssen den Meeresboden als integralen Bestandteil des Erdsystems betrachten.“ Störungen in diesen Bereichen beeinflussen nicht nur lokale Ökosysteme, sondern können auch globale Prozesse wie Kohlenstoffspeicherung und die Stabilität mariner Nahrungsnetze beeinträchtigen.

Das Kapitel über die Meeresbodenintegrität im Planetary Health Check betrachtet diese Funktionen erstmals umfassend aus einer Erdsystem-Perspektive. Es wird deutlich, dass die Integrität des Meeresbodens nicht nur eine zusätzliche planetare Grenze darstellt, sondern vielmehr beschreibt, inwieweit die physische Struktur und die Lebensgemeinschaften des Meeresbodens erhalten bleiben. Zudem wird auf die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen hingewiesen, die für den Schutz des Meeresbodens relevant sind, wobei das internationale Seerecht und das Vorsorgeprinzip von zentraler Bedeutung sind.

Ein zentrales Thema der Studie ist die Rolle des Meeresbodens im Kohlenstoffkreislauf. In den Sedimentschichten der Kontinentalschelfe lagern große Mengen an organischem Kohlenstoff, die für die langfristige Kohlenstoffspeicherung in Meeressedimenten entscheidend sind. Störungen, wie sie durch die Grundschleppnetzfischerei verursacht werden, können diesen gespeicherten Kohlenstoff freisetzen und zur Erhöhung der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre beitragen. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich über 100 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus Sedimenten durch derartige Eingriffe mobilisiert werden, wobei die genauen Auswirkungen auf die Atmosphäre noch unklar sind.

Darüber hinaus beeinflussen die vielfältigen Organismen am Meeresboden die Nahrungsnetze und steuern gemeinsam mit Mikroorganismen den Austausch von Stickstoff, Phosphor und Kohlenstoff zwischen Sediment und Wasser. Der Verlust dieser Strukturen hat weitreichende Konsequenzen für die Ökosystemfunktionen, insbesondere in der Tiefsee, wo die Folgen noch nicht vollständig verstanden sind.

Ein Beispiel für die tiefgreifenden Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf den Meeresboden ist die Ostsee, wo jahrzehntelange menschliche Aktivitäten in Kombination mit Klimaveränderungen wie Erwärmung und Versauerung zu irreversiblen Veränderungen geführt haben. Das Autorenteam des Berichts weist darauf hin, dass kein Quadratmeter des Ostseebodens mehr frei von menschlichen Einflüssen ist, was Hinweise darauf geben könnte, was anderen Meeresregionen bevorsteht, wenn der Druck auf den Meeresboden weiterhin zunimmt.

Der Schutz des Meeresbodens erfordert ein ganzheitliches Management, das nicht nur Arten und Lebensräume berücksichtigt, sondern auch die Funktionen des Meeresbodens in Bezug auf Kohlenstoffspeicherung und Nährstoffkreisläufe. Besonders empfindliche Tief