
Die Äußerungen des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro haben nachweislich zur Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes beigetragen. Einer umfassenden Studie, die unter der Leitung der Universität Bonn durchgeführt wurde, zufolge verstärkte sich die Abholzung in den Jahren seiner Präsidentschaft, insbesondere in den Monaten, in denen Bolsonaro und seine Minister öffentlich gegen den Waldschutz Stellung bezogen. Diese Forschung zeigt, dass Politik nicht nur durch Gesetze, sondern auch durch Worte und deren öffentliche Wahrnehmung einen erheblichen Einfluss auf das Verhalten der Gesellschaft ausüben kann.
Im Jahr 2018 wählten die Brasilianer Bolsonaro, der in seinen ersten Monaten im Amt häufig abfällig über den Schutz des wertvollen Ökosystems sprach. Die Studie analysierte Daten der Initiative „MapBiomas Alerta“, die Entwaldungswarnungen aus verschiedenen Quellen in Brasilien überprüft und validiert. Zudem wurden über 3.600 Tweets untersucht, die Bolsonaro und seine Minister im Jahr 2019 veröffentlicht hatten, speziell solche, die ein geringeres Bestrafungsrisiko für Verstöße gegen Umweltgesetze signalisierten. Die Forscher identifizierten insgesamt 38 relevante Beiträge.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung war, dass politische Botschaften nur dann Wirkung entfalten, wenn sie von der Bevölkerung wahrgenommen und diskutiert werden. Daher wurde die Reichweite der Tweets in 578 Gemeinden des Amazonasgebiets geschätzt. Je aktiver die Twitter-Nutzer in einem Gebiet waren, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass die Äußerungen der Regierung dort Gehör fanden. Laut den Forschern verbreiten sich solche Botschaften oft durch Mundpropaganda, wodurch sie die Entscheider vor Ort erreichen und deren Handlungen beeinflussen.
Die Studie ergab, dass in den Monaten, in denen Bolsonaro und seine Minister gegen den Waldschutz kommunizierten, die Abholzung in den betroffenen Regionen signifikant anstieg. Dieses Muster war nicht nur auf Twitter beschränkt; auch in anderen Medien wie dem Fernsehen spiegelte sich der Einfluss der Regierungsäußerungen wider. Interessanterweise zeigte die Analyse, dass die Äußerungen der Regierung keinen direkten Einfluss auf kommunale Umweltstrafen oder Abholzungsverbote hatten. Vielmehr veränderten die Botschaften die Erwartungen der Menschen hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, für Gesetzesverstöße bestraft zu werden.
Ein entscheidender Faktor für die Abholzung scheinen wirtschaftliche Anreize zu sein. In den Kommunen, in denen Bolsonaro hohe Unterstützung genoss, fiel der Einfluss seiner Äußerungen nicht mehr ins Gewicht als in anderen Gebieten. Stärker war der Effekt in Regionen, die in der Vergangenheit durch Naturschutzpolitiken eingeschränkt wurden und wo landwirtschaftliche Gewinne erzielt werden konnten. Die Forscher schätzen, dass in den Jahren 2019 zwischen 190 und 1.700 Quadratkilometer Wald als direkte Folge der Äußerungen der Bolsonaro-Regierung verloren gingen.
Diese Ergebnisse verdeutlichen die Macht der Worte, insbesondere wenn sie von politisch einflussreichen Personen stammen. Die Studie legt nahe, dass solche Effekte über den spezifischen Kontext des brasilianischen Amazonasgebiets hinausgehen könnten und in anderen Regionen oder Themenfeldern ähnlich zu beobachten sein könnten. Die Forschung wurde von mehreren Institutionen, darunter die Universität Bonn, die University of Texas at Dallas und die Wageningen University in den Niederlanden, unterstützt und zeigt eindrucksvoll, wie politische Kommunikation konkrete Umweltveränderungen bewirken kann.
Zusammenfassend zeigt die Untersuchung, dass die Rhetorik von Führungspersönlichkeiten wie Bolsonaro erhebliche Auswirkungen auf das Verhalten der Gesellschaft haben kann. Es wird deutlich, dass Worte, insbesondere im politischen Kontext, nicht nur Meinungen formen, sondern auch konkrete Handlungen und deren Folgen für unsere Umwelt beeinflussen können. Die Erkenntnisse dieser Studie sind nicht nur für Brasilien von Bedeutung, sondern haben auch internationale Relevanz, da sie die Wechselwirkungen zwischen politischer Kommunikation und Umweltpolitik aufzeigen.


















































