Bedrohungen für Europäische Küsten: Der 10. Copernicus Meereszustandsbericht hebt die Bedeutung der…

Bedrohungen für Europäische Küsten: Der 10. Copernicus Meereszustandsbericht hebt die Bedeutung der…

Am 30. September 2026 wurde der 10. Copernicus Ocean State Report (OSR10) veröffentlicht, der alarmierende Veränderungen in den europäischen Küstengewässern dokumentiert. Der Bericht, der auf den Erkenntnissen von 125 internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern basiert, einschließlich Dr. Naomi Krauzig vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, zeigt auf, dass die europäischen Regionalmeere unter erheblichem Druck stehen. Die Veränderungen, die durch Faktoren wie globale Erwärmung, Anstieg des Meeresspiegels, Versauerung und verstärkte extreme Wetterereignisse verursacht werden, haben weitreichende Auswirkungen auf marine Ökosysteme sowie auf die Gesellschaften an den Küsten.

Der OSR10, erstellt von Mercator Ocean International im Rahmen des Copernicus Marine Service der Europäischen Union, nutzt eine Kombination aus Satellitendaten, In-situ-Messungen und Modellen, um den Zustand der Ozeane zu analysieren. Der Bericht dokumentiert nicht nur die kontinuierliche Erwärmung der Ozeane und den Anstieg des Meeresspiegels, sondern auch die zunehmende Versauerung der Meere und die Auswirkungen extremer Wetterereignisse.

Insbesondere die Regionalmeere in Europa sind stark betroffen. Der Bericht beschreibt für das Jahr 2024 unter anderem marine Hitzewellen im Mittelmeer und im Schwarzen Meer sowie signifikante Sturmereignisse an der Atlantikküste Spaniens. Zudem wird auf außergewöhnliche Veränderungen des Wasserstands und des Salzgehalts in den europäischen Küstengewässern hingewiesen. Diese hydrologischen Veränderungen könnten durch den Klimawandel verstärkt werden, was unter anderem geringere Schneemengen und veränderte Niederschlagsmuster zur Folge hat. Diese Entwicklungen könnten dazu führen, dass Flüsse wie der Po in Zukunft stärkeren Schwankungen zwischen extrem niedrigen Abflüssen und Hochwasserereignissen ausgesetzt sind, was erhebliche Folgen für die Küstendynamik, marine Lebensräume, Fischerei und Aquakultur hat.

Ein herausragendes Beispiel für die beschriebenen Veränderungen findet sich in der nördlichen Adria. Dr. Naomi Krauzig hebt hervor, dass die Region im Jahr 2023 und 2024 von einer Reihe extremer Wetterereignisse betroffen war, die zu einem dramatischen Rückgang des Salzgehalts führten. Nach schweren Regenfällen und hohen Flussabflüssen, unter anderem infolge des Sturms „Boris“, fiel der Salzgehalt an der Oberfläche von etwa 35 auf weniger als 15 Gramm pro Kilogramm. Solche drastischen Veränderungen können weitreichende Folgen für die marine Umwelt und die Biodiversität haben. Daher sind dauerhafte und interoperable Überwachungssysteme unerlässlich, um wissenschaftliche Forschung, Frühwarnsysteme und Anpassungsstrategien in diesen vulnerablen Küstenregionen zu unterstützen.

Der Bericht betont die Bedeutung einer kontinuierlichen Ozeanbeobachtung, um zwischen kurzfristigen Extremereignissen und langfristigen Veränderungen zu unterscheiden. Nur mit verlässlichen Daten und operationellen Vorhersagesystemen können politische Entscheidungsträger, Küstengemeinden und maritime Sektoren Risiken besser einschätzen und sich auf zukünftige Veränderungen vorbereiten. Neben den europäischen Entwicklungen bietet der OSR10 auch einen Überblick über globale Trends. Seit 1960 hat der Wärmeinhalt der Ozeane zugenommen, während der globale mittlere Meeresspiegel zwischen 1999 und 2025 um durchschnittlich 3,8 Millimeter pro Jahr gestiegen ist. Darüber hinaus hat der Ozean zwischen 1985 und 2025 eine Versauerung um rund 17 Prozent erfahren, was insbesondere empfindliche Ökosysteme wie Korallenriffe und kleine Inselstaaten betrifft.

Dr. Karina von Schuckmann, Direktorin des Copernicus Ocean State Report, hebt hervor, dass der Bericht zehn Jahre nach seinem ersten Erscheinen nicht nur als jährlicher Statusbericht dient, sondern auch als wachsender wissenschaftlicher Datensatz über die zunehmenden Belastungen der Ozeane. Er verdeutlicht, wie fortlaufende Beobachtung, Modellierung und wissenschaftliche Zusammenarbeit es ermöglichen, Veränderungen im Ozean besser zu verstehen und zukünftige Risiken frühzeitig zu erkennen.

Insgesamt ist der Copernicus Ocean State Report ein entscheidendes Instrument für die Forschung und Politik, um fundierte Entscheidungen in Bezug auf den Schutz der Meere und die Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels zu treffen.