
Die Art und Weise, wie Studierende der Wirtschaftswissenschaften Informationen recherchieren, hat sich in den letzten Jahren erheblich gewandelt. Eine neue Studie des ZBW – Leibniz-Informationszentrums Wirtschaft, die 908 Studierende aus verschiedenen deutschen Hochschulen befragt hat, zeigt auf, dass generative KI-Anwendungen, insbesondere ChatGPT, zunehmend in den Forschungsprozess integriert werden. Diese Entwicklung bringt neue Herausforderungen mit sich, während gleichzeitig traditionelle Probleme wie die Bewertung von Quellen und der Zugang zu Volltexten weiterhin bestehen bleiben.
Eine beachtliche Erkenntnis der Studie ist, dass beeindruckende 92 Prozent der befragten Studierenden bewusst KI-gestützte Werkzeuge in ihrem Studienalltag nutzen. Besonders hervorzuheben ist, dass 65 Prozent der Studierenden mit eigener Rechercheerfahrung gelegentlich ChatGPT oder ähnliche Anwendungen zur Literatursuche heranziehen. Trotz dieser modernen Hilfsmittel bleibt die klassische Internetrecherche mit Plattformen wie Google Scholar und Google nach wie vor der zentrale Weg zur Informationsbeschaffung. Im Gegensatz dazu spielen spezialisierte Datenbanken für Wirtschaftswissenschaften eine geringere Rolle; nur 41 Prozent der Befragten nutzen solche Ressourcen zumindest gelegentlich.
Die Studie verdeutlicht eine klare Vorliebe der Studierenden für leicht zugängliche und vielseitige Tools. Gleichzeitig zeigt sich ein interessantes Spannungsfeld zwischen der intensiven Nutzung von KI und einem hohen Bewusstsein für die damit verbundenen Risiken. So befürchten 92 Prozent der Teilnehmenden, dass die von KI generierten Ergebnisse fehlerhaft oder irreführend sein könnten. 70 Prozent äußern Bedenken hinsichtlich einer möglichen Überabhängigkeit von KI-Anwendungen und des damit verbundenen „Deskilling“, also einer Verschlechterung der eigenen Recherchefähigkeiten.
Trotz der Nutzung moderner Technologien bestehen bei den Studierenden weiterhin traditionelle Schwierigkeiten. Über die Hälfte der Befragten, konkret 63 Prozent, empfinden den Zugang zu Volltexten als herausfordernd. Zudem haben 54 Prozent Schwierigkeiten, die Relevanz der gefundenen Rechercheergebnisse angemessen einzuschätzen. Das zeigt, dass der Unterstützungsbedarf in diesen Bereichen nach wie vor hoch ist. 92 Prozent der Studierenden halten Informationen über korrektes Zitieren und Plagiatsvermeidung für unerlässlich, 90 Prozent wünschen sich Hilfestellungen zur Identifizierung vertrauenswürdiger Quellen, und 81 Prozent interessieren sich für Anleitungen zur effektiven Nutzung von KI bei der Literatursuche.
Dr. Tamara Pianos, Leiterin der Informationsvermittlung an der ZBW, hebt hervor, dass generative KI nicht nur die Werkzeuge selbst verändert, sondern auch die Abläufe in der wissenschaftlichen Recherche beeinflusst. Aus ihrer Sicht ist es für Hochschulen und Bibliotheken von entscheidender Bedeutung, in Schulungen zum wissenschaftlichen Arbeiten auf die potenziellen Fallstricke hinzuweisen. Studierende sollten lernen, wie sie Informationen richtig einordnen und wo sie Unterstützung finden können. Viele der Herausforderungen, die durch den Einsatz von KI-Tools verstärkt werden, sind nicht neu; sie erfordern vielmehr, dass Studierende ihr Fachwissen kontinuierlich ausbauen, um Informationen kritisch bewerten zu können.
Die ZBW selbst stellt eine umfassende Informationsinfrastruktur für Wirtschaftswissenschaften bereit und bietet Zugriff auf rund vier Millionen Medien sowie eine wachsende Sammlung von Open-Access-Dokumenten. Mit über 20 Millionen Downloads digitaler Dokumente allein im Jahr 2025 hat die ZBW einen bedeutenden Beitrag zur Verfügbarkeit wirtschaftswissenschaftlicher Informationen geleistet. Ihr Fachportal EconBiz ermöglicht den Zugriff auf mehr als 12 Millionen Datensätze, was Studierenden und Forschenden wertvolle Unterstützung bietet.
Insgesamt zeigt die Studie, dass Wirtschaftsstudierende in ihrer Recherchepraxis einen bemerkenswerten Wandel vollzogen haben. Die Integration von KI-gestützten Tools wie ChatGPT in ihren Alltag ist ein Schritt in die Zukunft der Informationsbeschaffung. Dennoch bleibt es entscheidend, dass Studierende die nötigen Fähigkeiten zur kritischen Bewertung von Informationen entwickeln und sich mit den Herausforderungen der digitalen Recherche auseinandersetzen, um in der akademischen Welt erfolgreich zu sein.


















































