
Der demografische Wandel hat auch die deutschen Hochschulen erreicht, und ein bedeutender Teil der Hochschulleitungen steht vor dem Ruhestand. Aktuellen Analysen zufolge sind fast 70% der Rektorinnen und Rektoren sowie Präsidentinnen und Präsidenten an deutschen Hochschulen 55 Jahre oder älter. Dies wirft nicht nur Fragen zur Nachfolge auf, sondern auch zur zukünftigen Ausrichtung und den notwendigen Kompetenzen innerhalb der Institutionen. Der Generationswechsel betrifft jedoch nicht nur die Führungsebene, sondern auch zahlreiche andere Bereiche des Hochschulpersonals, was eine differenzierte Betrachtung erfordert.
In den kommenden Jahren ist mit einem signifikanten Wechsel in den Top-Positionen der Hochschulen zu rechnen. Der Anteil der über 55-Jährigen reicht von 68% bei Rektorinnen und Rektoren über 55% bei Prorektorinnen und Prorektoren bis zu 45% bei Kanzlerinnen und Kanzlern. Diese Zahlen verdeutlichen den Handlungsbedarf, der je nach Hochschultyp und Region unterschiedlich ausgeprägt ist. So sind zum Beispiel 59% der Kanzlerinnen an Universitäten in dieser Altersgruppe, während es an Fachhochschulen nur 37% sind. Zudem variiert die Altersstruktur auch zwischen staatlichen und privaten Hochschulen, wobei an staatlichen Hochschulen 73% der Rektorinnen und Rektoren älter als 55 Jahre sind.
Bei den nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten zeigt sich ein differenziertes Bild. Besonders in Bibliotheken und technischen Bereichen ist der Anteil älterer Beschäftigter hoch, während die Verwaltung tendenziell jüngeres Personal aufweist. Der Altersdurchschnitt variiert regional stark; in Bremen liegt der Anteil der über 50-Jährigen in Verwaltung und Technik bei 47%, in Brandenburg jedoch nur bei 30%. Generell sind in den westdeutschen Bundesländern mehr ältere Beschäftigte zu finden als in den ostdeutschen.
Die vorliegenden Daten verdeutlichen, dass der demografische Wandel nicht flächendeckend einheitlich ist. Die Hochschulen müssen daher proaktiv agieren und frühzeitig ermitteln, wo und in welchen Bereichen Personalwechsel zu erwarten sind. Sigrun Nickel, Leiterin der Hochschulforschung beim CHE, betont, dass Hochschulen sich auf die veränderten Anforderungen einstellen sollten, um den Herausforderungen des demografischen Wandels gerecht zu werden.
Ein zentraler Aspekt der Analyse ist die Notwendigkeit neuartiger Kompetenzen und Tätigkeitsprofile. Die befragten Kanzlerinnen und Kanzler sehen insbesondere großes Potenzial in der Digitalisierung von Verwaltung und Lehre. Sie erwarten, dass neue Arbeitsfelder entstehen, die Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Datenmanagement und Cyber-Sicherheit erfordern. Gleichzeitig verändert sich das Anforderungsprofil für Führungspositionen. Während früher juristische Kenntnisse im Vordergrund standen, gewinnen nun Managementfähigkeiten und interdisziplinäre Kompetenzen an Bedeutung. Eine starre Anforderung an eine Promotion wird von den meisten Befragten kritisch betrachtet.
Die Hochschulen stehen zudem im Wettbewerb um qualifiziertes Personal, was durch den demografischen Wandel zusätzlich erschwert wird. Die Kanzlerinnen und Kanzler berichten von Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung wichtiger Positionen und dem Verlust wertvollen Erfahrungswissens. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, empfehlen die Autorinnen der Analyse, dass Hochschulen nicht nur ihre Personalplanung überdenken, sondern auch attraktivere Arbeitsbedingungen und klare Entwicklungsperspektiven für Mitarbeitende schaffen.
Eine wichtige Zielgruppe für die Nachwuchsgewinnung sind die Studierenden selbst. Hochschulen haben die Möglichkeit, bereits während des Studiums Einblicke in die vielfältigen Tätigkeitsfelder der Hochschulverwaltung zu gewähren und Perspektiven aufzuzeigen, die über Forschung und Lehre hinausgehen.
Die Grundlage für diese Analyse bildet eine umfassende Datenerhebung, die auf Informationen des Statistischen Bundesamtes sowie einer bundesweiten Online-Befragung von Hochschulkanzlerinnen und -kanzlern basiert. Die Ergebnisse dieser Untersuchung verdeutlichen, dass der Generationenwechsel an den Hochschulen nicht nur Herausforderungen mit sich bringt, sondern auch Chancen für eine Modernisierung und Neuausrichtung der Hochschulstrukturen bietet.


















































