Neue Einsichten zur Stabilität des Ostantarktischen Eisschildes**

Neue Einsichten zur Stabilität des Ostantarktischen Eisschildes**

Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des Alfred-Wegener-Instituts haben eine bedeutende Entdeckung vor der Küste der Ostantarktis gemacht. Sie haben einen riesigen, isolierten Sedimentkörper untersucht, der sich auf einem vergletscherten Kontinentalschelf befindet und mehr als 580 Kubikkilometer umfasst. Diese Struktur, bekannt als „Grounding-Zone Wedge“, ist mit einer Höhe von etwa 260 Metern und einer Länge von 65 Kilometern die größte ihrer Art und bietet wertvolle Einblicke in die Eisgeschichte der Region. Die Untersuchungen zeigen, dass die Stabilität solcher Sedimentkörper nicht nur durch klimatische Faktoren, sondern auch durch die geologischen Eigenschaften des Meeresbodens beeinflusst wird.

Der Sedimentkeil befindet sich in der Vincennes-Bucht, einem Gebiet, das für die Forschung von herausragendem Interesse ist. Der Keil ist in der sogenannten Aufsetzzone (Grounding Zone) entstanden, dem Übergangsbereich zwischen auf dem Meeresboden liegendem und schwimmendem Eis. Der Rückzug des ostantarktischen Eisschildes nach der letzten Eiszeit führte dazu, dass sich diese Zone über einen längeren Zeitraum stabilisierte, bevor sie sich schließlich um etwa 65 Kilometer in Richtung Meer zurückzog.

Die hochauflösenden geophysikalischen Messungen, die im Rahmen dieser Studie durchgeführt wurden, ermöglichen nun eine präzise Visualisierung des inneren Aufbaus des Sedimentkörpers. Die Ergebnisse belegen, dass die Stabilität dieser Zonen nicht nur vom Klimawandel abhängt, sondern auch maßgeblich von der Beschaffenheit des Meeresbodens beeinflusst wird. Chiara Tobisch, die Hauptautorin der Studie, erläutert, dass die Rückzugsbewegung des Eisschildes nicht gleichmäßig verläuft, sondern stark von den geologischen Gegebenheiten vor Ort abhängt. Ihre Forschung zeigt, dass die innere Struktur des Sedimentkörpers wichtige Hinweise auf vergangene Stabilitätsprozesse gibt.

Der „Grounding-Zone Wedge“ stellt ein einzigartiges Archiv dar, das wertvolle Informationen über die Eisgeschichte der Ostantarktis enthält. Während der Stabilisierung der Aufsetzzone lagert sich Sediment ab, was das aufliegende Eis in seiner Bewegung beeinflusst. Diese Ablagerungen führen dazu, dass das Eis sich allmählich in Richtung Meer ausdehnt. Die interne Struktur des Sedimentkörpers kann Aufschluss darüber geben, wie und unter welchen Bedingungen diese Stabilisationsprozesse in der Vergangenheit abgelaufen sind.

Ein internationales Forschungsteam hat die Lücke im Wissen über den Aufbau solcher Sedimentstrukturen geschlossen. An der Studie waren neben der Universität Kiel und dem Alfred-Wegener-Institut auch Wissenschaftler von der Universität Bremen, der Universität Tasmanien und des Australischen Centre for Excellence in Antarctic Science beteiligt. Die Grundlage der Untersuchung bildeten hochauflösende seismische Reflexionsdaten, die während der Expedition PS141 im Jahr 2024 gesammelt wurden. Diese Daten ermöglichen es, die innere Schichtung des Sedimentkörpers in bisher unerreichter Detailgenauigkeit darzustellen.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie Sedimentschichten seewärts vorrücken und wie Material aus dem Landesinneren unter dem Eis herantransportiert und dort abgelegt wird. Besonders bemerkenswert ist der Bereich am landseitigen Ende des Sedimentkörpers, wo die Veränderungen des Meeresbodens und die Verfestigung des Untergrunds zu einer Stabilisierung der Aufsetzzone führten und den Rückzug des Eises verlangsamten.

Der Ostantarktische Eisschild ist die größte Eismasse der Erde, und sein vollständiges Abschmelzen würde einen globalen Anstieg des Meeresspiegels von etwa 52 Metern zur Folge haben. Die Geschwindigkeit, mit der sich diese Region unter dem Einfluss des Klimawandels verändert, hängt von der Wechselwirkung zwischen Eis, Ozean und Untergrund ab. In der Vincennes-Bucht, wo sich der schnell zurückweichende Vanderford-Gletscher befindet, ist die Dynamik besonders ausgeprägt.

Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass die Stabilität des Eises nicht nur von globalen klimatischen Veränderungen abhängt, sondern auch von lokalen Faktoren wie der Neigung des Meeresbodens und dessen geologischen Eigenschaften. Diese Aspekte wurden in bisherigen Modellen oft nicht ausreichend berücksichtigt. Dr. Johann Klages, Mitautor der Studie, hebt hervor, dass kleine Veränderungen in diesen Faktoren erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität der Aufsetzzone haben können.

Die Forschungsergebnisse liefern somit nicht nur neue Einsichten in die Dynamik des ostantarktischen E