
In den letzten Jahren hat die Technische Universität Berlin ein innovatives Online-Tool namens CleanCityCover entwickelt, das Städten dabei helfen soll, die Auswirkungen von Starkregen auf die Wasserverschmutzung zu analysieren. Dieses Werkzeug ist ein Ergebnis des EU-Projekts WATERUN, das auf die Entwicklung nachhaltiger Methoden für die Stadtplanung abzielt. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation von Hotspots, an denen diffuse Verschmutzung auftritt, um gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität zu ermöglichen.
Starkregenereignisse sind in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels immer häufiger geworden. Diese Niederschläge führen dazu, dass Schadstoffe von versiegelten Flächen wie Straßen, Plätzen und Dächern in die Kanalisation und schließlich in Flüsse und Seen gelangen. Zu den häufigsten Schadstoffen zählen Mikroplastik von Reifenabrieb, Schwermetalle von Metalldächern und Ölrückstände aus dem Verkehr. Wissenschaftlerinnen am Fachgebiet Ökohydrologie der TU Berlin haben sich dieser Problematik angenommen und ein interaktives Webtool entwickelt, das den Städten hilft, herauszufinden, welche Flächen besonders hohe Schadstoffbelastungen aufweisen und wo sauberes Regenwasser gesammelt werden kann.
Das CleanCityCover-Tool wurde von der Doktorandin Boney Joseph, Prof. Eva Paton und der Gastwissenschaftlerin Dr. Nasrin Haacke erstellt und parametrisiert. Es bewertet städtische Oberflächen hinsichtlich ihres Potenzials zur Verschmutzung des Oberflächenabflusses. Durch die Nutzung dieses Tools können Kommunen kritische Bereiche identifizieren, die für die Schadstoffeinträge verantwortlich sind, und gleichzeitig Flächen erkennen, deren Regenwasser für die Wiederverwendung geeignet ist. Die integrierten Rankings der Schadstoffquellen ermöglichen es, die Planung von blau-grüner Infrastruktur zu optimieren, sowohl für einzelne Standorte als auch für ganze Stadtteile.
Prof. Eva Paton beschreibt das Ziel des Projekts: „Wir wollten ein praktisches Werkzeug schaffen, das auf andere europäische Städte übertragbar ist. CleanCityCover hilft Städten zu verstehen, wo diffuse Verschmutzung entsteht, und ermöglicht gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität.“ Das Tool richtet sich an Kommunen, Umweltbehörden, Wasserversorger und städtische Entwässerungsunternehmen.
Im Rahmen des WATERUN-Projekts wurde CleanCityCover bereits in mehreren Städten getestet, darunter Aarhus in Dänemark, Santiago de Compostela in Spanien und Berlin. Das Tool berücksichtigt drei Hauptverschmutzungsarten: atmosphärische Ablagerungen, verkehrsbedingte Belastungen und Schwermetalle. Die Ergebnisse der Analysen in diesen Städten unterstützen die Planung von blau-grüner Infrastruktur und bieten praxistaugliche Daten, die zur Verringerung der Wasserverschmutzung beitragen können.
Eine begleitende Studie, die sich mit Ölverschmutzungen im Berliner Stadtgebiet beschäftigte, zeigte, dass diese eine erhebliche Bedrohung für die Wasserqualität darstellen. Die Forscherin Luz von der Groeben analysierte Alarmierungszahlen der Feuerwehr bezüglich Ölverschmutzungen und untersuchte die Anzahl und Größe von Ölflecken in bestimmten Berliner Stadtteilen. Die Ergebnisse waren alarmierend, da eine hohe Verbreitung solcher Verunreinigungen festgestellt wurde, die sowohl den Straßenbelag schädigen als auch negative Auswirkungen auf aquatische Lebensräume haben können.
Die Relevanz von CleanCityCover wird durch das Berliner Klimaanpassungsgesetz unterstrichen, das den Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen adressiert. Dieses Tool liefert entscheidende Informationen, die für die nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung und die Klimaanpassung in urbanen Räumen unerlässlich sind. Indem es stark verschmutzte Gebiete sichtbar macht, leistet CleanCityCover einen Beitrag zur Identifikation geeigneter Standorte für die Implementierung von blau-grüner Infrastruktur und zur effektiven Nutzung von Regenwasser.
Die Methodik und die Ergebnisse des Tools sind auf andere Städte übertragbar und können so Kommunen in ganz Europa unterstützen, die Wasserqualität zu verbessern und die Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen zu erhöhen. Das vollständige CleanCityCover-Paket, inklusive aller relevanten Materialien, kann über das Repository der TU Berlin abgerufen werden. Damit wird ein wertvolles Instrument bereitgestellt, um die Herausforderungen der urbanen Wasserbewirtschaftung in einer sich wandelnden Klimawelt anzugehen.


















































