
Die Forschungsförderung in Deutschland steht unter erheblichem Druck, da die traditionellen Auswahlverfahren zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Drittmittel, die einen wesentlichen Teil der Einnahmen deutscher Hochschulen ausmachen, sind für die Finanzierung von Forschungsprojekten unerlässlich. Gemäß den Statistiken des Statistischen Bundesamtes stammen etwa 25 Prozent der Einnahmen von Hochschulen aus solchen Drittmitteln, die sowohl von öffentlichen als auch von privaten Quellen bereitgestellt werden. Um Zugang zu diesen Mitteln zu erhalten, müssen Forschungsanträge durch ein oft komplexes Auswahlverfahren, das in vielen Fällen zu einer hohen Ablehnungsquote führt, erfolgreich eingereicht werden.
In den letzten Jahren ist die Anzahl der eingereichten Projektanträge in vielen Förderprogrammen stark gestiegen, während die verfügbaren Haushaltsmittel nicht im gleichen Maße gewachsen sind. Dies hat zur Folge, dass viele Forscher viel Zeit und Mühe in Anträge investieren, die letztlich abgelehnt werden. Beispielsweise wurde in einem spezifischen Programm des Förderschwerpunkts „Wissenschafts- und Hochschulforschung“ eine Förderquote von nur 5,5 Prozent festgestellt, was bedeutet, dass von 128 eingereichten Projektskizzen lediglich sieben gefördert wurden. Solche niedrigen Quoten verdeutlichen den akuten Wettbewerb und die damit verbundenen Herausforderungen.
Die klassische Peer-Review-Methode, die häufig in der Forschungsförderung verwendet wird, hat sich als nicht immer optimal erwiesen. Bei diesem Verfahren müssen Forscher zunächst eine Projektskizze einreichen, gefolgt von einem detaillierten Antrag, der von Gutachtern anhand vorgegebener Kriterien bewertet wird. Diese Vorgehensweise ist zwar sinnvoll, wenn eine differenzierte fachspezifische Bewertung erforderlich ist, jedoch zeigt sich, dass diese Methode in ihrer gegenwärtigen Form nicht für alle Förderziele geeignet ist. Forscher müssen oft einen enormen Aufwand betreiben, um ihre Anträge zu formulieren, während Gutachter zwischen vielen qualitativ hochwertigen Vorschlägen entscheiden müssen. Dies führt nicht nur zu einer Überlastung der Begutachtungsprozesse, sondern benachteiligt auch innovative Forschungsansätze, die möglicherweise nicht den traditionellen Bewertungslogiken entsprechen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, fordern Experten eine Überprüfung und Anpassung der Auswahlverfahren. Anstatt sich starr an bewährte Methoden zu halten, sollten Förderorganisationen gezielt untersuchen, welches Auswahlverfahren am besten zu den jeweiligen Zielen des Förderprogramms passt. In einem aktuellen Bericht des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) werden 14 verschiedene Auswahlmodelle analysiert, die sowohl nationale als auch internationale Beispiele umfassen. Diese Modelle sollen nicht eins zu eins übernommen, sondern vielmehr als Inspiration dienen, um die bestehenden Verfahren zu optimieren.
Einige der vorgestellten Alternativen, wie Fast Grants oder Opportunity Seeds, könnten dazu beitragen, den Entscheidungsprozess zu beschleunigen und den Aufwand zu reduzieren. Fast Grants ermöglichen schnellere Entscheidungen, während Opportunity Seeds darauf abzielen, risikobehaftete und unkonventionelle Ideen zu fördern. In Fällen, in denen mehrere Projekte qualitativ überzeugen, jedoch schwer zu ranken sind, kann eine Tiebreaker Lottery als ergänzende Auswahlmethode in Betracht gezogen werden. Für Programme, die eine strategisch ausgewogene Portfolioentwicklung anstreben, könnte das Programme-Director-Modell eine geeignete Lösung darstellen.
Die Autorinnen des Berichts, Melanie Rischke und Isabel Roessler, betonen, dass es nicht darum geht, das Peer-Review-Verfahren abzulehnen, sondern dieses gezielt und situationsgerecht einzusetzen. Die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Auswahlverfahren sollte dazu genutzt werden, ein maßgeschneidertes System zu entwickeln, das den spezifischen Anforderungen der Förderziele gerecht wird.
Insgesamt wird von deutschen Förderorganisationen erwartet, dass sie mutiger neue Ansätze testen und die gewonnenen Erfahrungen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Verfahren nutzen. Innovative Wege zur Förderentscheidung sind entscheidend, um die Forschungslandschaft in Deutschland zu stärken und den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein.


















































