
Wasserstoff zählt zu den am häufigsten diskutierten Energieträgern der heutigen Zeit. Während einige Kritiker auf die Ineffizienz, hohen Kosten, unzureichende Infrastruktur und potenziellen Gefahren hinweisen, preisen andere seine klimafreundlichen Eigenschaften, die Möglichkeit zur Speicherung und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Im Rahmen des deutsch-tschechischen Forschungsprojekts HyBaBo hat die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH) die Chancen und Herausforderungen von Wasserstoff als Teil einer nachhaltigen Energieversorgung für die grenzüberschreitende Region Bayern und Böhmen untersucht. Die aktuellen Ergebnisse des Projekts zeigen, dass Wasserstoff insbesondere für industrielle Anwendungen, den Schwerlastverkehr und die kommunale Mobilität von entscheidender Bedeutung sein kann.
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit stand die Frage, wie eine langfristig klimafreundliche, resiliente und wirtschaftlich tragfähige Wasserstoffwirtschaft in der Region aufgebaut werden kann. Hierzu wurden 65 Unternehmen und Institutionen befragt, um den zukünftigen Wasserstoffbedarf zu ermitteln. Aus diesen Analysen entwickelten die Forscher drei unterschiedliche Szenarien für die Entwicklung bis zum Jahr 2050, die von konservativen bis zu ambitionierten Ansätzen reichen. Ein zentrales Ergebnis war die Erkenntnis, dass insbesondere industrielle Prozesse, die Temperaturen über 1.000 Grad Celsius erfordern – wie beispielsweise in der Glasindustrie – auch weiterhin auf gasförmige Energieträger angewiesen sein werden. Maximilian Schinhammer vom Institut für Energietechnik der OTH betonte, dass nicht alle industriellen Prozesse elektrifiziert werden können und Wasserstoff daher eine wichtige Rolle spielen wird.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Untersuchung war die Ermittlung des Potenzials zur regionalen Wasserstoffproduktion. Die Forscher analysierten sowohl die Elektrolyse mit erneuerbaren Energien als auch die Nutzung von biogenen Reststoffen aus landwirtschaftlichen und kommunalen Abfallströmen. Die Ergebnisse zeigten, dass die regionale Erzeugung von Wasserstoff einen signifikanten Beitrag leisten kann, jedoch voraussichtlich nicht ausreichen wird, um den gesamten zukünftigen Bedarf zu decken. Daher ist eine Anbindung an nationale und europäische Wasserstoffnetze unerlässlich.
Das Projekt untersuchte auch die spezifischen Infrastrukturbedarfe für die Wasserstoffwirtschaft. Dabei wurden potenzielle Standorte für Elektrolyseanlagen und Wasserstofftankstellen identifiziert. Ein zentraler Fokus lag auf der Mobilität, wo sich das klassische Problem der Transformation zeigt: Ohne Tankstellen gibt es keine Fahrzeuge, und ohne Fahrzeuge sind keine Tankstellen rentabel. Die Planung von Wasserstofftankstellen in der Region wird gefördert, wobei viele Programme zunächst auf Standorte entlang der Hauptverkehrsachsen ausgerichtet sind. Dennoch erkennen die Projektpartner vielversprechende Möglichkeiten, insbesondere im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs und des Schwerlastverkehrs, wo eine Umstellung auf Wasserstoff als besonders sinnvoll erachtet wird. Beispielrechnungen zeigen, dass Teile regionaler Bioabfälle bereits zur Wasserstoffproduktion zur Versorgung kommunaler Busflotten genutzt werden könnten.
Neben der wissenschaftlichen Analyse legte das Projekt einen besonderen Schwerpunkt auf den Wissenstransfer. Die OTH Amberg-Weiden brachte nicht nur ihre Forschungskompetenz ein, sondern engagierte sich auch aktiv im Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzwerks zur Förderung des Wissensaustauschs. Anna Lena Reinhardt, die operative Projektleiterin, betonte die Bedeutung des Teilens von Wissen für den Erfolg der Energieversorgungstransformation. So wurden unter anderem Schulungen und Exkursionen organisiert, um die verschiedenen Aspekte der Wasserstofftechnologie praktisch zu veranschaulichen.
Die Ergebnisse des HyBaBo-Projekts verdeutlichen, dass der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ein langfristiger Prozess ist, der technologische Innovationen, wissenschaftliche Begleitung und enge regionale Kooperationen erfordert. Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben, wird die OTH Amberg-Weiden ihre Forschung im Rahmen des Nachfolgeprojekts HyAdvanCE fortsetzen, das im Oktober startet und zwei Jahre lang läuft. Ziel ist es, die Integration von Wasserstoff in die lokale und regionale Energieplanung aus einer grenzüberschreitenden Perspektive zu unterstützen und bewährte Lösungen für Behörden und andere Akteure zu entwickeln. An diesem Projekt sind Partner aus Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Slowenien und Polen beteiligt, und die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Entwicklung nationaler und europäischer Wasserstoffstrategien einfließen.


















































