
In den Alpen finden sich zahlreiche Moore, die oft klein und schwer zugänglich sind. Diese besonderen Lebensräume sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch von großer Bedeutung für den Klimaschutz, da sie Kohlenstoff speichern. Trotz ihrer Wichtigkeit fehlen jedoch häufig aktuelle Informationen über ihre Ausdehnung und ihren Zustand. Ein internationales Forschungsteam, an dem auch die Universität Göttingen beteiligt ist, hat nun einen neuen, länderübergreifenden Ansatz zur Erfassung dieser Moore entwickelt.
Die Ergebnisse dieser Studie wurden in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht. Die Forschenden analysierten 590 kartierte Moore aus Österreich, Deutschland und der Schweiz. Dabei verwendeten sie ein neuartiges Modell, das Daten von optischen und radargestützten Satelliten aus den Jahren 2019 bis 2023 mit Geländedaten kombiniert. Der Vergleich mit offiziellen Moorkarten ergab, dass viele der untersuchten Moore deutlich kleiner klassifiziert wurden als in den bisherigen Karten dargestellt. Dies war besonders auffällig in Bereichen, wo Luftbilder Hinweise auf Störungen aufwiesen.
Die Luftbilder lieferten wertvolle Informationen über mögliche Ursachen für die beobachteten Veränderungen. An nahezu 90 Prozent der untersuchten Standorte konnten Störungen festgestellt werden, darunter das Wachstum von Bäumen und Sträuchern, der Bau neuer Infrastrukturen sowie die Entwässerung von Flächen für landwirtschaftliche Zwecke, wie etwa die Heuproduktion. Die auf den Luftbildern erkennbaren Entwässerungsgräben bestätigen diese Beobachtungen. Dr. Marian Schönauer, der Hauptautor der Studie von der Mendel-Universität in Brünn, Tschechien, erklärt, dass das Team zunächst an der Richtigkeit des Modells zweifelte. Doch schließlich stellte sich heraus, dass die als „zu klein“ klassifizierten Moore häufig auf Flächen lagen, die durch menschliche Eingriffe sichtbar beeinträchtigt waren.
Dr. Simon Drollinger von der Abteilung Bioklimatologie der Universität Göttingen betont die ökologische Bedeutung dieser kleinen Moore. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Kohlenstoffspeicherung, regulieren den Wasserhaushalt und bieten Lebensräume für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Die Analyse legt nahe, dass der Zustand vieler Alpenmoore möglicherweise stärker beeinträchtigt ist, als bislang angenommen. Um den Schutz und die Wiederherstellung dieser sensiblen Ökosysteme gezielt zu planen, sind aktuelle Daten unerlässlich.
Das Forschungsteam fordert eine intensivere Erfassung und einen besseren Schutz der alpinen Moore. Ihr neu entwickelter Ansatz könnte helfen, diese Lebensräume regelmäßig durch Satellitendaten zu überwachen und gezielte Felduntersuchungen zu planen. Dadurch könnten auch die Karten über die Verbreitung der Moore aktualisiert werden, was für den Umweltschutz von großer Bedeutung ist.
Alpenmoore, wie sie in den Studien abgebildet sind, sind nicht nur Lebensräume für viele seltene Arten, sondern auch bedeutende Kohlenstoffspeicher. Ihre Erhaltung ist daher nicht nur aus ökologischer Sicht wichtig, sondern spielt auch eine Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Angesichts der erkannten Gefährdungen ist es entscheidend, dass Wissenschaftler, Naturschützer und Entscheidungsträger zusammenarbeiten, um Strategien zu entwickeln, die eine nachhaltige Bewirtschaftung und den Schutz dieser einzigartigen Lebensräume ermöglichen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neuen Erkenntnisse über die alpine Moorlandschaft aufzeigen, wie wichtig es ist, innovative Technologien und Methoden zur Überwachung und zum Schutz dieser kritischen Ökosysteme einzusetzen. Der fortlaufende Verlust und die Degradation dieser Gebiete erfordern dringende Maßnahmen, um ihre ökologischen Funktionen für künftige Generationen zu bewahren.


















































