Strategien zur effektiven Sicherung von Naturschutzgebieten: Ein Diskussionsbeitrag der Leopoldina …

In Deutschland ist die unberührte Natur rar geworden. Nur etwa 0,6 Prozent der Landesfläche genießen den Schutz eines Nationalparks, und in den fünf bestehenden Nationalparks an Nord- und Ostsee ist lediglich ein Prozent der Fläche vollständig von menschlicher Nutzung ausgeschlossen. Solche unberührten Gebiete sind jedoch entscheidend für den Lebensraum seltener Arten. Gleichzeitig spielen auch Kulturlandschaften wie der Spreewald und die Schwäbische Alb eine wichtige Rolle im Artenschutz. Um den Erhalt der biologischen Vielfalt zu gewährleisten, ist es notwendig, differenzierte Strategien zu entwickeln, die auf den jeweiligen Landschafts- und Schutzzielen basieren.

Ein aktuelles Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina trägt den Titel „Schutzgebiete – Für eine wirkungsvollere Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt“ und bietet umfassende Empfehlungen für die Verbesserung des Naturschutzes. Die Autorinnen und Autoren betonen die Notwendigkeit rechtlicher Rahmenbedingungen, klar definierter Ziele und eines effektiven Managements. Im Rahmen des globalen Naturschutzabkommens von Kunming-Montreal 2022 haben sich sowohl die Europäische Union als auch Deutschland verpflichtet, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen wirksam zu schützen.

Das Diskussionspapier kritisiert, dass Deutschland bezüglich der Umsetzung dieser Ziele hinter den Vereinbarungen zurückbleibt, sowohl in Bezug auf die Ausweisung neuer Schutzgebiete als auch beim Erhalt bestehender Flächen. Die bloße Ausweisung von Schutzgebieten allein garantiert keinen effektiven Naturschutz. Entscheidend ist, wie diese Gebiete gestaltet und verwaltet werden. Verschiedene Kategorien von Schutzgebieten, wie Nationalparks, Biosphärenreservate und Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, verfolgen unterschiedliche Konzepte. Daher gibt es keine universelle Lösung; die Maßnahmen müssen an den jeweiligen Lebensraum und das spezifische Schutzziel angepasst werden.

Eine zentrale Strategie ist der Prozessschutz, bei dem die Natur sich selbst überlassen wird. In solchen Gebieten wird auf menschliche Eingriffe verzichtet, was bedeutet, dass beispielsweise abgestorbene Bäume im Wald verbleiben. Im Gegensatz dazu verfolgt der Kulturlandschaftsschutz einen Ansatz, der den Schutz mit nachhaltigen Nutzungsformen kombiniert. Die Autorinnen und Autoren warnen davor, diese beiden Konzepte gegeneinander auszuspielen. Stattdessen sollte die Entscheidung über die jeweiligen Ziele und Maßnahmen an die ökologischen sowie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst werden.

In Deutschland sind viele einheimische Tier- und Pflanzenarten auf Wiesen, Weiden und Streuobstwiesen angewiesen. Der Erhalt solcher Kulturlandschaften erfordert eine extensive Landwirtschaft, da diese Lebensräume ohne menschliches Eingreifen in Wälder umschlagen würden. Für Wälder und Küstengebiete ist hingegen der Prozessschutz besonders geeignet. Das Diskussionspapier hebt hervor, dass der Anteil dieser Wildnisgebiete in Deutschland sehr gering ist, was im Widerspruch zu den internationalen Verpflichtungen steht. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, wird vorgeschlagen, den Anteil ungenutzter Wälder im öffentlichen Besitz auf zehn Prozent zu erhöhen. Auch bei den Meeresgebieten sollten zehn Prozent als Nullnutzungszonen ausgewiesen werden, in denen Fischerei, Jagd und Infrastrukturprojekte untersagt sind.

Ein weiteres Problem ist der Einfluss angrenzender Flächen auf die Schutzgebiete. Der Einsatz von Insektiziden und Düngemitteln auf intensiv bewirtschafteten Flächen hat auch Auswirkungen auf benachbarte Schutzgebiete. Die Autorinnen und Autoren fordern, dass die Schutzgebiete resilienter gegenüber äußeren Einflüssen werden müssen. Pufferzonen könnten hierbei eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus sollte der negative Einfluss von Pflanzenschutzmitteln und Düngemittelüberschüssen durch rechtliche und politische Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen verringert werden.

Die konsequente Anwendung von Naturschutzgesetzen ist ebenfalls entscheidend. Diese Gesetze schreiben vor, dass Managementpläne erstellt und regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die Schutzgebiete tatsächlich zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen. Bei Konflikten über die Nutzung sollten die unterschiedlichen Interessen frühzeitig erkannt und in einem transparenten und gut moderierten Prozess gemeinsam Lösungen erarbeitet werden.

Das Diskussionspapier wurde von der Leopoldina-Fokusgruppe „Biodiversität – Landnutzung – Klima“ verfasst und steht auf der Website der Leopoldina zur Verfügung. Die Akademie bietet mit diesen Diskussionsbeiträgen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, flexibel Denkanstöße zu geben und