Schutz der Forschung in Deutschland: Ein ausgewogener Ansatz zur Wissenschaftsfreiheit und Sicherhe…

In der gegenwärtigen geopolitischen Landschaft ist die Sicherheit von Forschung und Wissenschaft ein zentrales Thema. Deutschland sieht sich, ähnlich wie andere Länder, dem zunehmenden Druck ausgesetzt, seine Forschung gegen Bedrohungen wie Spionage, Sabotage und unerwünschten Wissensverlust abzusichern. Eine aktuelle Analyse des VDI Technologiezentrums untersucht die Schutzstrategien von acht verschiedenen Nationen und bietet wertvolle Einsichten für die Gestaltung der Forschungssicherheit in Deutschland. Während die Nationale Plattform für Forschungssicherheit ins Leben gerufen wird, gibt es Empfehlungen, wie Deutschland seine Ansätze verbessern und anpassen kann, um den Herausforderungen der Zeit gerecht zu werden.

Die Studie des VDI Technologiezentrums zeigt deutlich, dass die Zahl der politischen Maßnahmen zum Schutz von Forschung und Technologie weltweit stark angestiegen ist. So stieg die Anzahl entsprechender Maßnahmen laut OECD von 27 im Jahr 2018 auf etwa 250 im Jahr 2025. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie entscheidend es für Staaten geworden ist, ihre Forschungslandschaften zu schützen, ohne jedoch die Freiheit der Wissenschaft zu gefährden. In Deutschland wird bislang auf freiwillige Leitlinien gesetzt, was sowohl Freiräume als auch Eigenverantwortung für Forschungseinrichtungen impliziert. Dies steht dem internationalen Trend gegenüber, der oft verbindlichere Regelungen und zentrale Steuerungsmechanismen vorsieht.

Die Analyse vergleicht die Ansätze von Ländern wie den USA, Kanada, Australien, Japan, den Niederlanden, China sowie multilateralen Organisationen wie der OECD, der EU und den Five Eyes. Ein zentrales Ergebnis ist die unterschiedliche Handhabung von Sicherheitsbedrohungen. Während die USA beispielsweise China und Russland explizit als Risikostaaten kennzeichnen und Förderungen aussetzen können, hat Australien seit 2024 ein gesetzliches Sicherheitsscreening für Förderanträge eingeführt. Deutschland hingegen verfolgt einen anderen Ansatz: Die Nationale Plattform für Forschungssicherheit wird künftig als Koordinationsstelle zwischen staatlichen Institutionen und Wissenschaftsorganisationen fungieren. Sie soll Institutionen über potenzielle Risiken aufklären und ihnen in konkreten Fällen beratend zur Seite stehen.

Der VDI-Report hebt hervor, dass Deutschland von den Erfahrungen anderer Länder lernen kann, um einen effektiven, aber flexiblen Rahmen für Forschungssicherheit zu entwickeln. Der Leitsatz „So offen wie möglich, so geschlossen wie nötig“ hat sich bereits als nützlich erwiesen und könnte auch für Deutschland als Leitprinzip dienen. Dieser Ansatz fördert die Offenheit der Wissenschaft und ermöglicht gleichzeitig die Implementierung notwendiger Sicherheitsmaßnahmen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der in der Analyse angesprochen wird, ist die Notwendigkeit, Forschungssicherheit in die Hochschulstrukturen zu integrieren. Diese sollte nicht nur auf Kooperationen zwischen staatlichen Stellen und Wissenschaft basieren, sondern auch im Hochschulmanagement und in der wissenschaftlichen Ausbildung verankert sein. Forschende benötigen klare Orientierungsangebote, um sicherheitsrelevante Forschungsfelder, Fördermöglichkeiten und zuständige Institutionen besser einordnen zu können. Ein Beispiel für solche Hilfestellungen ist die FAQ-Publikation „Sicherheitsrelevante Forschung“, die von der German U15, der Cyberagentur und dem VDI Technologiezentrum veröffentlicht wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Deutschland vor der Herausforderung steht, eine Balance zwischen der Notwendigkeit von Sicherheit und der Gewährleistung von Wissenschaftsfreiheit zu finden. Der internationale Vergleich zeigt, dass es möglich ist, Sicherheit zu gewährleisten, ohne die Eigenständigkeit und die Offenheit der Wissenschaft zu gefährden. Indem Deutschland von den Erfahrungen anderer Staaten profitiert, kann es einen eigenen, angepassten Weg finden, um seine Forschung zu schützen und gleichzeitig die Innovationskraft zu fördern. Die kommenden Schritte zur Stärkung der Forschungssicherheit werden entscheidend dafür sein, wie Deutschland in der globalen Wissenslandschaft positioniert bleibt.