Natürliche Barrieren gegen den Anstieg des Meeresspiegels: Die entscheidende Rolle von Seevögeln, K…

Die Anpassung tropischer Atollinseln an den steigenden Meeresspiegel wird durch den Schutz von Seevögeln und die Wiederherstellung heimischer Vegetation entscheidend gefördert. Dies sind die Ergebnisse einer umfassenden Studie eines internationalen Forscherteams, das von der Lancaster University geleitet und vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen unterstützt wurde. Die im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Untersuchung zeigt, wie die von Seevögeln eingebrachten Nährstoffe sowohl die Inseln als auch die umliegenden Korallenriffe positiv beeinflussen und welche Relevanz dies für ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Anstieg des Meeresspiegels hat.

Durch die globale Erwärmung steigt der Meeresspiegel kontinuierlich, was insbesondere flachen Riffinseln im Indischen und Pazifischen Ozean ein erhöhtes Überflutungsrisiko beschert. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, könnten Maßnahmen wie die Bekämpfung invasiver Ratten, die eine Bedrohung für die Seevögel darstellen, und die Rückführung der natürlichen Vegetation von Bedeutung sein. Professor Nick Graham von der Lancaster University betont die Dynamik von Atollinseln und deren Fähigkeit zur Anpassung, wenn die richtigen Bedingungen geschaffen werden.

Die Forscher analysierten ökologische Daten von 28 Atollinseln, darunter bekannte Standorte wie die Seychellen und den Chagos-Archipel. Sie führten Bestandszählungen von Seevögeln durch und ermittelten den Nährstofftransfer, den diese Vögel durch ihre Exkremente auf die Inseln bringen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gesunde, durch Schutzmaßnahmen wie Rattenbekämpfung bewahrte Seevogelpopulationen und intakte Wälder zentral sind, um die Widerstandsfähigkeit der Atolle gegen den Meeresspiegelanstieg zu fördern.

Die wichtigsten Mechanismen, die dabei helfen, sind: das Wachstum von Korallenriffen, die Bildung von Sediment und die Stabilisierung des Bodens. Diese Faktoren sind eng miteinander verbunden und spielen eine entscheidende Rolle für die Erhaltung der Atollinseln. Ein gesundes Ökosystem, das von Seevögeln und einheimischer Vegetation geprägt ist, kann den Inseln helfen, mit den prognostizierten Meeresspiegelanstiegen von bis zu 2 °C bis zum Ende des Jahrhunderts Schritt zu halten.

Zusätzlich wurde der Einfluss von Korallen und anderen Rifforganismen auf die Kalk- und Sedimentproduktion untersucht. Die Studie ergab, dass Korallenriffe um Inseln mit einer hohen Dichte an Seevögeln schneller wachsen und mehr Kalk ablagern, was zur Stabilisierung der Riffstruktur beiträgt. Dies ist entscheidend, um die Küsten vor erosiven Wellen zu schützen. Die Forscher fanden heraus, dass die Riffwachstumsraten an Inseln ohne Ratten und mit gesunden Seevogelpopulationen bis zu 2,5-mal höher sind als an Riffen, die von Ratten befallen sind.

Die Sedimentproduktion, die für den Erhalt der Inseln von Bedeutung ist, profitiert ebenfalls von den Nährstoffeinträgen der Seevögel. Diese tragen zur Schaffung von Lebensräumen für sedimentproduzierende Organismen wie Papageifische und Seeigel bei. An Inseln mit einer reichen Seevogelpopulation kann die Sedimentproduktionsrate bis zu 2,8-mal höher sein als an weniger belebten Standorten. Für eine 14 Hektar große Insel entspricht dies einer jährlichen Zunahme von etwa 170 Kubikmetern Sediment, das zur Stabilität der Insel beiträgt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die heimische Vegetation, die durch ihre Wurzelsysteme eine wichtige Schutzfunktion gegen Erosion ausübt. Die dichten Wurzeln der einheimischen Pflanzen stabilisieren den Boden effektiver als die häufigen Kokospalmen-Plantagen. In Gebieten mit einem hohen Anteil an einheimischer Vegetation konnte eine bis zu 4,6-mal höhere Feinwurzellänge gemessen werden.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Wiederherstellung und der Schutz der natürlichen Lebensräume nicht nur der Artenvielfalt zugutekommt, sondern auch die Widerstandsfähigkeit der Atollinseln gegenüber den Folgen des Klimawandels stärkt. Dies ist besonders relevant für unbewohnte oder dünn besiedelte Atolle, wo technische Schutzmaßnahmen möglicherweise nicht praktikabel sind.