Anpassungsstrategien der Hyänen in der Serengeti angesichts des Klimawandels**

Der Klimawandel hat signifikante Auswirkungen auf die Lebensräume vieler Tierarten, was sich auch auf die Verfügbarkeit von Beutetieren auswirkt. Diese Veränderungen beeinflussen insbesondere die Wanderbewegungen herbivorer Tiere, die für Raubtiere wie die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta) von entscheidender Bedeutung sind. Eine langjährige Studie, durchgeführt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, hat gezeigt, dass die Hyänen in der Serengeti bemerkenswerte Anpassungsmechanismen entwickelt haben, um mit den veränderten Bedingungen umzugehen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Anzahl der Tage, an denen die Hauptbeutetiere der Hyänen, insbesondere die Streifengnus (Connochaetes taurinus), in deren Reviere verweilen, drastisch reduziert. Während die Gnus zwischen 1990 und 1994 noch rund 12 Prozent des Jahres in diesen Gebieten verbrachten, sank dieser Anteil bis 2019 auf etwa 7 Prozent. Diese Entwicklung könnte auf veränderte Niederschlagsmuster zurückzuführen sein, die die Wanderbewegungen und Verteilung großer Herden beeinflussen. Mit einer Zunahme der Niederschläge in der Serengeti ist zu erwarten, dass sich die Wanderungen der Pflanzenfresser anpassen, was für die Hyänen erhebliche Herausforderungen bedeutet.

Die Forscher untersuchten die Auswirkungen dieser veränderten Beuteverfügbarkeit auf die Hyänenpopulationen und deren Jagdmuster. Sie konnten auf einen umfangreichen Datensatz aus drei Jahrzehnten zurückgreifen, der Informationen über Tausende von Hyänen und deren Lebensweise enthält. Die Ergebnisse zeigen, dass die Hyänen trotz der sinkenden Anwesenheit ihrer Hauptbeutetiere in den letzten Jahren ihre Populationen stabil halten konnten. Zwei der drei untersuchten Clans wuchsen sogar im Verlauf der Studie.

Eine interessante Erkenntnis der Studie ist, dass die Hyänen auch in Zeiten reduzierter Beute weiterhin auf wandernde Tierarten angewiesen sind. Die Forscher fanden heraus, dass die Fütterungsereignisse in den Clan-Reviere zwar abnahmen, die Hyänen jedoch weiterhin weite Strecken zurücklegten, um Nahrung zu suchen. Diese Pendelaktivitäten sind besonders bei Weibchen mit Welpen ausgeprägt, die im Bau bleiben und ihre Mütter nicht begleiten können. Die Nahrungssuche kann bis zu einer Woche dauern und Strecken von bis zu 150 Kilometern umfassen, was die bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit der Hyänen unterstreicht.

Die Tüpfelhyänen agieren als sogenannte „Central-Place-Forager“, was bedeutet, dass sie ihre Beute in einem zentralen Gebiet suchen und von dort aus in die Umgebung pendeln. Diese Flexibilität in ihrem Jagdverhalten ermöglicht es ihnen, saisonale Schwankungen in der Verfügbarkeit von Beutetieren zu kompensieren. Die Forscher vermuten, dass die Hyänen nicht nur von der Flexibilität ihrer Jagdstrategien profitieren, sondern auch von anderen Faktoren, wie einer insgesamt wachsenden Population von Huftieren im Serengeti-Ökosystem und geringeren Sterblichkeitsraten durch Krankheiten oder menschliche Einflüsse.

Interessanterweise zeigt eine separate Studie, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere durch den Tourismus, ebenfalls einen Einfluss auf die Wanderbewegungen der Gnus haben. Dies könnte die Veränderungen in der Verteilung der Beutetiere weiter verstärken und somit die Herausforderungen für die Hyänen erhöhen.

Die Ergebnisse dieser Forschung bieten wertvolle Einblicke in die Anpassungsmechanismen von Raubtieren angesichts der Herausforderungen des Klimawandels. Sie sind von Bedeutung nicht nur für die Serengeti, sondern auch für andere Regionen, in denen sich Tierwanderungen durch klimatische Veränderungen verändern. Zukünftige Studien werden notwendig sein, um die genauen Mechanismen zu verstehen, die das Überleben der Hyänen in einem sich verändernden Ökosystem sichern. Letztlich wird die Fähigkeit von Raubtieren, sich an diese Veränderungen anzupassen, entscheidend für ihre zukünftige Population und das Gleichgewicht der Ökosysteme sein.