Mikroplastik in Sedimenten: Ein Indikator für menschliche Einflüsse auf die Umwelt**

In einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Earth-Science Reviews haben Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und der Universität Leicester in Großbritannien die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf Sedimentablagerungen über die Jahrzehnte hinweg untersucht. Der Fokus ihrer Forschung liegt auf Mikroplastik, das als Referenzpunkt für das Anthropozän, einem vorgeschlagenen neuen Erdzeitalter, dienen könnte. Diese Forschung wirft ein Licht auf die zunehmende Verbreitung von kunststoffhaltigen Materialien und deren langfristige Folgen für die Umwelt.

Das Anthropozän ist ein Konzept, das die signifikanten geologischen Veränderungen beschreibt, die durch menschliche Aktivitäten verursacht wurden. Es wurde von einer Arbeitsgruppe vorgeschlagen, die die verschiedenen geologischen Epochen in der Erdgeschichte untersucht. Trotz intensiver Diskussionen und Bemühungen wurde der Vorschlag, das Anthropozän offiziell als geologisch definierte Epoche anzuerkennen, im März 2024 abgelehnt. Dennoch ist der Einfluss des Menschen auf die Erde nicht zu leugnen, und die Forschungsarbeiten zu Mikroplastik könnten ein wichtiger Schritt in Richtung einer formalen Anerkennung des Anthropozäns sein.

Mikroplastik umfasst kleine Plastikpartikel von 1 Mikrometer bis 5 Millimetern, die oft durch die Zersetzung größerer Plastikobjekte entstehen. Diese Partikel können aus verschiedenen Quellen stammen, wie beispielsweise synthetischen Textilfasern, Plastikschnipseln oder landwirtschaftlichen Folien. Ein weiterer Aspekt ist, dass Mikroplastik auch direkt in dieser kleinen Form produziert wird, wie etwa in Kosmetika, die Peeling-Körperpflegeprodukte enthalten. Aufgrund ihrer geringen Größe können diese Partikel von Tieren aufgenommen werden und sich in Sedimenten fernab menschlicher Aktivitäten ablagern, was sie zu einem potenziellen Marker für das Anthropozän macht.

Ein wesentlicher Vorteil von Mikroplastik als geologischem Marker ist, dass es in Sedimenten relativ gut vor äußeren Einflüssen wie UV-Strahlung und Witterung geschützt ist. Dies führt dazu, dass die Partikel über lange Zeiträume stabil bleiben und somit als verlässliche Indikatoren für Veränderungen in der Umwelt dienen können. Die Forscher haben festgestellt, dass sich die Arten und Mengen von Mikroplastik im Sediment im Lauf der Zeit verändern, was mit der Verwendung bestimmter Plastikarten in unterschiedlichen Epochen korreliert. Beispielsweise war Bakelit eines der ersten Kunststoffe, der in der Vergangenheit weit verbreitet war, aber heute kaum noch verwendet wird. Daher findet man es vorwiegend in älteren Sedimentschichten.

Die Studie deutet auch darauf hin, dass man spezifische Ereignisse, wie die COVID-19-Pandemie, im Sediment nachweisen kann. Während dieser Zeit kam es zu einem Anstieg der Produktion von Einwegprodukten wie Masken und Handschuhen, die schließlich in die Umwelt gelangten und durch Verwitterung zu Mikroplastik zerfallen sind. Diese Partikel hinterlassen charakteristische Spuren in den Sedimentschichten.

Die Forschung zeigt, dass Mikroplastik nicht nur vielfältig in seiner Form, sondern auch in seiner chemischen Zusammensetzung ist, was es zu einem wertvollen Werkzeug macht, um menschliche Einflüsse auf die Umwelt zu dokumentieren. Dr. Juliana Ivar do Sul, eine der Hauptautorinnen der Studie, betont, dass die weltweite Verbreitung von Mikroplastik in verschiedenen Ökosystemen es ermöglicht, diese Partikel als Marker für das Anthropozän zu nutzen.

In Zukunft wird die Forschung darauf abzielen, Sedimentkerne weltweit zu analysieren, um das Vorhandensein bestimmter Polymerarten wie Polypropylen, Polyethylen und Polyethylenterephthalat in den Sedimenten zu überprüfen. Diese Analysen könnten aufzeigen, ob die Verteilung der Partikel den zeitlichen Verlauf ihrer kommerziellen Produktion seit Mitte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Die Forscher planen zudem Freilandstudien, um die Bewegungen der Partikel innerhalb der Sedimentschichten besser zu verstehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Untersuchung von Mikroplastik in Sedimenten nicht nur wichtig ist, um die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt zu verstehen, sondern auch um einen Beitrag zur geologischen Forschung zu leisten. Es bleibt abzuwarten, ob Mikroplastik offiziell als Marker für das Anthropozän anerkannt wird, jedoch ist die Bedeutung dieser Forschung für die Umweltwissenschaften unbestreitbar.