** Die Rolle der Ozeane im Klimaschutz: Eine Herausforderung für die Zukunft

Die Ozeane spielen eine entscheidende Rolle im globalen Klimasystem, indem sie einen erheblichen Teil des von Menschen verursachten Kohlenstoffdioxids (CO2) sowie nahezu die gesamte zusätzliche Wärme, die durch den Klimawandel generiert wird, absorbieren. Diese natürliche Fähigkeit der Ozeane, CO2 zu speichern und Wärme zu puffern, ist jedoch nicht unbegrenzt. Der aktuelle Climate Technology Progress Report des Copenhagen Climate Centre der Vereinten Nationen (UNEP-CCC) zeigt auf, dass der Ozean als Klimaregulator zunehmend unter Druck gerät. Der Bericht, der im Vorfeld der Weltklimakonferenz COP31 veröffentlicht wurde, fordert mehr Investitionen in die sogenannte „Ocean Carbon Intelligence“ – eine umfassende Ozeanbeobachtung und Datenanalyse, um die Dynamiken des Kohlenstoffkreislaufs eingehender zu verstehen.

Aktuell absorbiert der Ozean etwa ein Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen und rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme, die durch den Klimawandel im Erdsystem bleibt. Diese bemerkenswerte Fähigkeit wird jedoch durch die Erderwärmung selbst beeinträchtigt. Der Bericht verdeutlicht, dass der Ozean aufgrund des Klimawandels momentan etwa sechs Prozent weniger Kohlenstoff aufnehmen kann, als dies unter normalen Bedingungen der Fall wäre. Martin Krause, der die Abteilung Klimawandel beim UNEP leitet, betont, dass eine schwächere Kohlenstoffsenke im Ozean dazu führt, dass mehr CO2 in der Atmosphäre verbleibt, was die Erreichung von Klimazielen erheblich erschwert und verteuert.

Im Kapitel über die Kohlenstoffaufnahme im Ozean, das von den GEOMAR-Forscherinnen Dr. Nadine Mengis und Dr. Judith Ziegler geleitet wurde, wird der Ozean als ein zentraler, jedoch verletzlicher Regulator des Klimasystems beschrieben. Judith Ziegler hebt hervor, dass der Ozean einen wesentlichen Beitrag zur Minderung der Erderwärmung geleistet hat, indem er fast 30 Prozent des von Menschen emittierten CO2 aufgenommen hat. Um diese wichtige Funktion zu erhalten, ist es jedoch unerlässlich, die CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren.

Zusätzlich zu den Aktivitäten der GEOMAR-Forscherinnen hat Dr. Judith Hauck vom Alfred-Wegener-Institut an dem Bericht mitgewirkt. Ihre Expertise aus dem Global Carbon Budget und regionalen Kohlenstoffbudgets war entscheidend für die genaue Analyse des Zustands des Ozeans als Kohlenstoffsenke. In der heutigen Online-Präsentation des Berichts stellte sie fest, dass die Kohlenstoffaufnahme durch den Ozean kritisch ist, um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen.

Ein weiteres zentrales Thema des Berichts ist, dass Technologien zur Überwachung und Stärkung der ozeanischen Kohlenstoffsenke zwar an Bedeutung gewinnen, jedoch nicht als Ersatz für drastische Emissionsminderungen dienen können. Dr. Bryce van Dam vom Hereon und Prof. Dr. Christopher Pearce vom National Oceanography Centre in Großbritannien weisen darauf hin, dass nachhaltige Klimaschutztechnologien in der Regel ergänzend wirken müssen und eine solide wissenschaftliche Grundlage sowie transparente Umweltstandards erfordern.

Ein zentrales Anliegen des Berichts ist der Ausbau der Ocean Carbon Intelligence. Dies umfasst die Kombination von Ozeanbeobachtungen, Datenauswertung und Modellierung sowie eine intensive internationale Zusammenarbeit. Aktuell bestehen erhebliche Lücken in den bestehenden Messnetzen und Datensystemen, was es Regierungen und Investoren erschwert, Klimarisiken realistisch einzuschätzen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Der Bericht hebt auch die Notwendigkeit hervor, den Zugang zu Finanzierung, Technologie und Daten zu verbessern, insbesondere für Küstenstaaten und kleine Inselentwicklungsländer. Diese Staaten sind oft die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffenen und benötigen Unterstützung, um wirksame und gerechte ozeanbasierte Klimamaßnahmen umzusetzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ozeane eine unverzichtbare Rolle im globalen Klimaschutz spielen. Ihre Fähigkeit, CO2 und Wärme zu absorbieren, ist jedoch bedroht. Der Climate Technology Progress Report ruft dazu auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um diese lebenswichtige Funktion zu bewahren und gleichzeitig die Emissionen drastisch zu reduzieren. Die Weltklimakonferenz in Antalya wird ein wichtiger Rahmen sein, um diese Thematik weiter zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten.