
In einer Welt, die sich zunehmend mit den Herausforderungen des Klimawandels, der Tierhaltung und der globalen Ernährungssituation auseinandersetzt, gewinnt das Konzept des kultivierten Fleisches an Bedeutung. Laborfleisch, das aus Zellkulturen gezüchtet wird, wird oft als eine mögliche Lösung für die Probleme der herkömmlichen Fleischproduktion angepriesen. Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) und der Freien Universität Berlin untersucht, wie Unternehmen diese innovative Technologie in Werbevideos präsentieren, um gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen und gleichzeitig die damit verbundenen Herausforderungen zu verschleiern.
Die Studie, die von der Gerda-Henkel-Stiftung finanziert wurde, analysierte 41 Werbevideos aus dem Bereich der zellulären Landwirtschaft. Die Forscher identifizierten dabei sechs zentrale Erzählmuster, die Unternehmen verwenden, um kultiviertes Fleisch als zukunftsfähige und ethisch vertretbare Alternative zur konventionellen Fleischproduktion zu inszenieren. Die Videos kombinieren eindrucksvolle Bilder von Laboren und Natur mit emotionalen Geschichten, die Appelle an das Tierwohl und den Schutz der Umwelt enthalten.
Die Darstellung der Technologie erfolgt häufig durch Infografiken und Zitate von Unternehmensvertretern, die kultiviertes Fleisch mit globalen Krisen in Verbindung bringen. Die Verwendung von Bildern, die saubere und sterile Laborumgebungen zeigen, vermittelt ein Gefühl von Hygiene und Kontrolle. Dies führt dazu, dass kultiviertes Fleisch als technologischer Fortschritt wahrgenommen wird, der nicht nur den Fleischkonsum aufrechterhält, sondern auch ethische Bedenken, die mit der traditionellen Tierhaltung verbunden sind, überwindet.
Trotz dieser positiven Inszenierung bleibt die Studie nicht unkritisch. Sie zeigt auf, dass die Werbevideos häufig die Herausforderungen, die mit der industriellen Produktion von kultiviertem Fleisch verbunden sind, ausblenden. Aspekte wie der hohe Energiebedarf, die notwendige Infrastruktur und regulatorische Hürden werden in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen entsteht der Eindruck einer nahezu perfekten Lösung, die alle Probleme auf elegante Weise lösen könnte.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass Unternehmen es schaffen, komplexe wissenschaftliche Prozesse und gesellschaftliche Probleme in eingängige Zukunftserzählungen zu übersetzen. Dadurch positionieren sie sich als Akteure, die einen Wandel in der Proteinversorgung vorantreiben. Allerdings zeigt die Studie auch, dass kultiviertes Fleisch noch nicht in der Lage ist, das Ernährungssystem grundlegend zu verändern oder die Wahrnehmung der Verbraucher nachhaltig zu beeinflussen. Vielmehr wird deutlich, dass die Art und Weise, wie Unternehmen die Zukunft der Fleischproduktion darstellen, entscheidend ist für die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Technologie.
Die Co-Autorin Judith Miggelbrink hebt hervor, dass der Wettbewerb um die zukünftige Proteinversorgung nicht nur in Laboren und Bioreaktoren stattfindet, sondern auch in der Art und Weise, wie Bilder, Geschichten und Versprechen genutzt werden. Die Rolle, die kultiviertes Fleisch in unserem Ernährungssystem spielen wird, hängt daher maßgeblich davon ab, wie seine Möglichkeiten und Grenzen kommuniziert und diskutiert werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hersteller von Laborfleisch durch geschickte Inszenierung ihrer Produkte eine vielversprechende Zukunft für die Fleischproduktion entwerfen wollen. Doch um diese Vision zu verwirklichen, müssen die realen Herausforderungen, die mit der großflächigen Produktion von kultiviertem Fleisch einhergehen, offen diskutiert und Lösungen gefunden werden. Nur so kann ein nachhaltiger und ethisch vertretbarer Weg in eine zukünftige Ernährungsgestaltung gefunden werden.


















































