Gründächer als Lösung für Starkregen: Forschungsergebnisse zur Regenwasserbewirtschaftung in Städte…

Ein aktuelles Forschungsprojekt mit dem Titel „MaNuGrün“ hat wertvolle Erkenntnisse über die Rolle von Gründächern bei der Bewirtschaftung von Regenwasser in städtischen Gebieten geliefert. Ziel des Projekts war es, die Wirksamkeit verschiedener Dachaufbauten unter extremen Wetterbedingungen zu testen, insbesondere bei Starkregen. In Zusammenarbeit mit mehreren Institutionen, darunter die Leipziger Wasserwerke, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und die Stadtentwässerung Dresden, wurden in den letzten vier Jahren umfassende Versuche durchgeführt.

Die konkrete Fragestellung lautete: Wie viel Regenwasser können unterschiedliche Gründächer zurückhalten, und wie beeinflussen sie den Abfluss in die Kanalisation? Um diese Fragen zu beantworten, wurde eine Versuchsanlage mit zehn verschiedenen Dachsystemen errichtet. Diese umfassten acht marktübliche Gründachsysteme, ein Kiesdach und ein herkömmliches Dach. Insgesamt wurden 222 Starkregenversuche durchgeführt, um die Eigenschaften der einzelnen Systeme zu vergleichen.

Die Tests umfassten eine Vielzahl von Regenintensitäten, die von einem einmal in einem Jahr vorkommenden Regen bis hin zu extremen Ereignissen, die nur einmal in hundert Jahren auftreten, reichten. Zudem wurde die Retentionsfähigkeit der Dächer unter verschiedenen Bedingungen getestet, indem die Dächer zu unterschiedlichen Zeitpunkten vor der Beregnung gesättigt wurden. Sensoren erfassten präzise die Zu- und Abflüsse des Wassers, was eine detaillierte Analyse der Ergebnisse ermöglichte.

Ein zentrales Ergebnis des Projekts war die Feststellung, dass alle getesteten Gründächer den Abfluss von Regenwasser im Vergleich zu konventionellen Dächern signifikant reduzieren konnten. Besonders effektiv war ein intensives Gründach, das in einem der Versuche eine Abflussdämpfung von bis zu 90 Prozent erreichte und zudem den Zeitpunkt des maximalen Abflusses um etwa 20 Minuten verzögerte. Diese Effekte sind besonders wichtig, da sie zeigen, dass Gründächer nicht nur eine grüne Fläche darstellen, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung der städtischen Kanalisation leisten können.

Die Forschung hat auch verdeutlicht, dass nicht nur die Vegetation entscheidend für die Retentionsfähigkeit ist, sondern auch Faktoren wie die Tiefe des Substrats, der spezifische Aufbau des Daches und die Drainage eine wichtige Rolle spielen. Dies bedeutet, dass die Auswahl des geeigneten Gründachsystems stark von den spezifischen Anforderungen vor Ort abhängt.

Ein weiterer bedeutender Aspekt der Ergebnisse ist die Verbesserung der Planung von Entwässerungssystemen. In der Vergangenheit wurden Gründächer in den gängigen Kanalnetzmodellen häufig stark vereinfacht dargestellt, was zu einer Überschätzung der tatsächlichen Abflüsse führen konnte. Die neuen Erkenntnisse ermöglichen es, die Effekte von Gründächern realistischer abzubilden, was für Kommunen und Entwässerungsbetriebe von großem Nutzen ist.

Um die gewonnenen Erkenntnisse auch über das Forschungsprojekt hinaus zu nutzen, wurde ein Handlungsleitfaden für Kommunen und Planungsbüros erstellt. Dieser Leitfaden bietet eine umfassende Übersicht über das Abflussverhalten verschiedener Dachtypen und unterstützt Planer bei der Auswahl geeigneter Gründachsysteme und der Planung von Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen.

Die Ergebnisse des Projekts zeigen eindeutig, dass Gründächer ein effektives Mittel zur Bewältigung von Starkregenereignissen darstellen und somit einen wertvollen Beitrag zu einer klimaresilienten Stadtentwicklung leisten können. Durch die Kombination von wissenschaftlicher Analyse und praktischer Anwendung wird es Städten ermöglicht, sich besser auf die Herausforderungen des Klimawandels einzustellen und die Auswirkungen von Starkregen zu minimieren. Insofern sind Gründächer nicht nur eine ästhetische Bereicherung des urbanen Raums, sondern auch eine wichtige Maßnahme zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung in Städten.