Die verborgenen Spuren der Schleppnetzfischerei: Neue Erkenntnisse über den Meeresboden der Ostsee**

Die Auswirkungen der Grundschleppnetzfischerei auf den Meeresboden der Ostsee sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen. Zwei aktuelle Studien des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) bieten wertvolle Einblicke in die tatsächliche Belastung des Meeresbodens und dessen Regenerationsfähigkeit. Dabei zeigen die Forschenden, dass die Spuren am Meeresgrund aufschlussreicher sind als die bislang verwendeten Schiffspositionsdaten. Mithilfe hochauflösender Echolotmessungen und künstlicher Intelligenz (KI) konnten sie bisher unerkannte Eingriffe dokumentieren und schnelle Veränderungen des Meeresbodens aufzeigen. Die Erkenntnisse, die in den Fachzeitschriften „Ecological Informatics“ und „Anthropocene“ veröffentlicht wurden, sind ein Aufruf zur genaueren Beobachtung und zum besseren Schutz der marinen Ökosysteme.

Grundschleppnetzfischerei stellt einen der gravierendsten menschlichen Eingriffe in die Meeresumwelt dar. Bei dieser Methode werden große Netzte über den Meeresboden gezogen, wobei schwere Geräte tiefe Furchen im Sediment hinterlassen. Diese Furchen wirken sich negativ auf die Lebensräume und die dort lebenden Organismen aus. Bisher wurde die Fischereiaktivität häufig mithilfe elektronischer Schiffspositionsdaten erfasst. Diese Methode ist jedoch lückenhaft, da vor allem kleinere Fischerboote, die in der westlichen Ostsee eine bedeutende Rolle spielen, oft nicht erfasst werden. Um diese Lücken zu schließen, entwickelte ein Team von IOW-Wissenschaftlern, darunter Mischa Schönke und Peter Feldens, einen neuen Ansatz. Anstatt sich nur auf die Positionen der Fischereifahrzeuge zu konzentrieren, analysierten sie die tatsächlichen Spuren, die diese am Meeresboden hinterlassen.

Die Studien zeigen, dass die Spuren im Sediment präzise Informationen über die physikalischen Veränderungen des Meeresbodens liefern. Mischa Schönke erklärt, dass Schiffspositionsdaten zwar Aufschluss darüber geben, wo sich Fischereifahrzeuge befinden, aber nicht darüber, wie stark der Meeresboden tatsächlich belastet wird. Durch die Untersuchung der Sedimentfurchen können die Forscher die Intensität der Fischereiaktivität und deren Auswirkungen auf den Meeresboden quantifizieren.

Ein bedeutendes Ergebnis der Untersuchungen zeigt, dass die Fischereiaktivität in der westlichen Ostsee in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen ist. Der Rückgang der gezielten Dorschfischerei ab 2022 bot den Forschern die Möglichkeit, die Auswirkungen dieser Entlastung zu beobachten. Im Rahmen ihrer Analysen untersuchten sie ein Gebiet im Fehmarnbelt mit hochauflösenden Echolotmessungen und ermittelten signifikante Veränderungen: Der Furchenvolumen, das 2021 noch etwa 5.067 m³ betrug, sank im Jahr 2022 auf nur noch 1.108 m³ – ein Rückgang von fast 80 %. Überdies stieg der Anteil der Flächen ohne Schleppnetzspuren von 14 % auf bis zu 65 %.

Ein weiterer bemerkenswerter Befund ist, dass Schleppnetzfurchen innerhalb eines Jahres weitgehend verschwinden können. Die Forscher untersuchten auch die Artenvielfalt bodenlebender Organismen, fanden jedoch keine eindeutigen Anzeichen einer ökologischen Erholung. Dies könnte darauf hindeuten, dass andere Umweltfaktoren ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf die Lebensgemeinschaften haben.

Um die räumlichen Unterschiede der Fischereiaktivität besser zu verstehen, wurde ein neuronales Netzwerk entwickelt, das es den Forschern ermöglicht, Schleppnetzspuren auf digitalen Tiefenkarten automatisch zu erkennen. Diese Methode ermöglichte die Analyse von mehr als 1.069 km² Meeresboden in verschiedenen Ostseeregionen. Die Ergebnisse zeigten, dass in der Mecklenburger Bucht über 80 % der untersuchten Flächen Hinweise auf Schleppnetzfischerei aufwiesen, während in der Kieler Bucht sogar über 90 % betroffen waren.

Besonders alarmierend sind die Hinweise auf illegale Fischereiaktivitäten im Meeresschutzgebiet Fehmarnbelt, wo die mobile Grundfischerei seit Ende 2024 verboten ist. Obwohl die Schiffspositionsdaten einen Anstieg der Fischereiaktivitäten in diesem Schutzgebiet anzeigen, bleibt die genaue Zuordnung der Schleppnetzspuren unklar, da ältere Furchen lange sichtbar bleiben können.

Zusammenfassend zeigen die beiden Studien, dass die Belastung des Meeresbodens durch die Grundschleppnetzfischerei durch