
Quantentechnologien nehmen in der modernen Wirtschaft, Wissenschaft und Hochschulbildung eine zunehmend zentrale Rolle ein. Eine aktuelle Studie des Stifterverbands in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsstatistik, die im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologien und Raumfahrt erstellt wurde, zeigt auf, dass 61,5 Prozent der befragten Unternehmen planen, neue Stellen in den Bereichen Forschung und Entwicklung zu schaffen, die sich mit diesen Technologien beschäftigen. Dabei wird nicht nur nach hochspezialisierten Quantenphysikern gesucht, sondern auch nach Absolventen der Fächer Physik, Informatik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften, die ihre Kenntnisse in diesen Bereichen mit einem umfassenden Verständnis der Quantentechnologien kombinieren können.
Diese Studie untersucht systematisch, inwieweit das Bildungsangebot an deutschen Universitäten mit dem Bedarf an Fachkräften in der Quantentechnologie übereinstimmt. Dazu wurden Unternehmensdaten, Umfragen an Hochschulen sowie qualitative Interviews und die Analyse von Vorlesungsverzeichnissen großer Universitäten durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass das akademische Lehrangebot bereits weitgehend mit den erforderlichen Kompetenzen übereinstimmt, wobei mehr als die Hälfte der relevanten Lehrveranstaltungen im Bereich Physik und Astronomie angesiedelt ist. Weitere wesentliche Bereiche sind Informatik sowie Elektro- und Informationstechnik.
Allerdings gibt es laut der Studie erheblichen Entwicklungsbedarf, insbesondere in Bezug auf die praktische Anwendung des erlernten Wissens. Aktuell sind nur etwa acht Prozent der untersuchten Lehrveranstaltungen so gestaltet, dass sie erfahrungsbasiertes Lernen fördern, wie etwa durch Praktika, Projekte oder Laborarbeiten. Andreas Land, der für die Publikation verantwortlich ist, betont, dass zwar viele der notwendigen theoretischen Grundlagen vermittelt werden, den Studierenden jedoch die Möglichkeiten fehlen, das Gelernte praktisch anzuwenden. Um dies zu verbessern, sei eine engere Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen Physik, Informatik und Ingenieurwissenschaften sowie ein verstärkter Fokus auf praxisorientierte Formate unerlässlich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Rolle von technisch qualifizierten Fachkräften ohne Hochschulabschluss, die für die praktische Umsetzung und den Betrieb von Laboren, Anlagen und experimentellen Infrastrukturen entscheidend sind. Für eine umfassende Sicherung des Fachkräftebedarfs müssen daher unterschiedliche Qualifikationsprofile berücksichtigt und die gesamte Bildungslandschaft in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) in den Blick genommen werden.
Die Studie hebt auch hervor, dass internationale Fachkräfte bereits einen bedeutenden Beitrag zum Ökosystem der Quantentechnologien leisten. Ihr Anteil am Forschungspersonal in den betrachteten Unternehmen liegt bei 21,4 Prozent und ist somit mehr als doppelt so hoch wie in anderen forschungsaktiven Firmen. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, internationale Studierende und Forschende gezielt bei ihrem Übergang in den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Aus den Erkenntnissen der Studie leiten die Autoren vier zentrale Handlungsfelder ab: Erstens sollte eine bessere Abstimmung zwischen dem Bedarf an Fachkräften und dem Lehrangebot erfolgen, um die Praxisorientierung der Studiengänge zu erhöhen. Zweitens ist eine strategische Unterstützung der Fachkräfteorientierung und der internationalen Rekrutierung erforderlich. Drittens muss die MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette gestärkt werden. Schließlich sollte die Förderlandschaft so weiterentwickelt werden, dass qualifizierte Fachkräfte geworben und gehalten werden können.
Zusammenfassend wird deutlich, dass die Hochschullehre in Deutschland in Bezug auf Quantentechnologien vor großen Herausforderungen steht. Um den steigenden Anforderungen der Industrie gerecht zu werden, ist es entscheidend, die Lehre stärker praxisorientiert zu gestalten und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Nur so können die Absolventen optimal auf die zukünftigen Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet werden und zur Weiterentwicklung der Quantentechnologien beitragen. Die vollständige Publikation „Fachkräfte für Quantentechnologien“ ist auf der Website des Stifterverbands verfügbar.


















































