Die Belastung von Krokodilen durch Quecksilber, verursacht durch den Goldabbau in tropischen Regionen, stellt ein wachsendes Risiko für diese Tiere dar. Ein Forschungsteam der Universität Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat herausgefunden, dass Quecksilber die Hormonreaktion von Kaimanen, einer Krokodilart, erheblich beeinflusst. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Fähigkeit der Tiere, mit Stress umzugehen, was ihre Überlebens- und Fortpflanzungschancen gefährdet.
Die Ergebnisse dieser Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Communications Biology veröffentlicht. Die Forscher untersuchten wildlebende Glattstirn-Kaimane (Paleosuchus trigonatus) im Regenwald von Französisch-Guayana und entdeckten, dass Kaimane mit höheren Quecksilberwerten im Blut bei standardisierten Stresstests eine reduzierte Reaktion auf das Stresshormon Kortikosteron zeigten. Normalerweise ist eine ausgeprägte Kortikosteronreaktion entscheidend für die Stressbewältigung von Tieren. Die reduzierte Fähigkeit der Kaimane, auf Stress zu reagieren, könnte ihre Überlebenschancen in der Wildnis erheblich mindern.
Die Quecksilberkonzentration in der Atmosphäre hat seit der vorindustriellen Zeit um 300 bis 500 Prozent zugenommen, was vor allem auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe und den Goldabbau zurückzuführen ist. Quecksilber wirkt als endokrin wirksame Substanz, die in den Hormonhaushalt von Tieren eingreift. Bei Wirbeltieren, einschließlich des Menschen, kann dieses Schwermetall mit Steroidrezeptoren interagieren, insbesondere mit dem Glukokortikoidrezeptor, der eine zentrale Rolle in der Stressreaktion spielt. Das Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-System ist das wichtigste Regelsystem, das es Tieren ermöglicht, bei akuten Belastungen das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Bei gesunden Tieren ist die Kortikosteronreaktion schnell und ausgeprägt. Doch bei Kaimanen aus belasteten Lebensräumen wurde ein deutlich abgeschwächter Anstieg des Hormonspiegels beobachtet, was auf eine beeinträchtigte Funktionsfähigkeit dieses wichtigen Reaktionssystems hinweist.
Die Forscher führten eine vergleichende Analyse durch und identifizierten eine biologische Schwachstelle bei allen Krokodilarten, die sie untersuchten: eine spezifische Aminosäure, Cystein, in der Ligandenbindungsdomäne des Glukokortikoidrezeptors. Methylquecksilber greift genau an dieser Stelle an und könnte erklären, warum die Hormonsysteme der Krokodile unter Druck geraten.
„Die Überschneidung der Lebensräume von Krokodilen mit Goldabbaugebieten macht dies zu einem dringenden Naturschutzproblem“, erklärt Jérémy Lemaire, der Projektleiter und Erstautor der Studie. Eine robuste Stressreaktion ist für das Überleben in der Wildnis unerlässlich. Die Studie zeigt, dass bereits geringfügige Quecksilberbelastungen die Fähigkeit der Kaimane verringern, mit natürlichen Herausforderungen wie Raubtieren oder extremen Wetterbedingungen umzugehen, was ihre Überlebensrate gefährdet.
In vielen tropischen Regionen sind Quecksilberemissionen aus dem Goldabbau verbreitet und können sich über weite Strecken in der Atmosphäre verbreiten. Kaimane, als langlebige Spitzenprädatoren, reichern Quecksilber über ihre Nahrung über Jahre hinweg in ihren Körpern an. Dies macht sie zu wichtigen Indikatoren für die Kontamination ihrer Ökosysteme. Krokodile gehören weltweit zu den am stärksten bedrohten Wirbeltierarten, und selbst geringfügige hormonelle Störungen können zu niedrigen Überlebensraten und verringertem Fortpflanzungserfolg führen.
Die in dieser Studie beobachteten Effekte traten bei Quecksilberkonzentrationen auf, die bereits in den Lebensräumen von Krokodilen weltweit dokumentiert sind, was darauf hinweist, dass die Risiken möglicherweise weitaus verbreiteter sind, als bisher angenommen. Diese Forschung unterstreicht die Notwendigkeit, den Schutz von Krokodilen und anderen Spitzenprädatoren in Gebieten, die von Goldabbau betroffen sind, ernsthaft zu berücksichtigen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die steigende Quecksilberbelastung durch Goldabbau einen erheblichen


















































